Die Blumen des Florentin Aley
Novelle von Margarete Windthorst IV.
„Sie fängt ihn noch, die Regine, der Voß," sagte Jette, wenn Regine zur Anprobe ihres weißen Tanzkleides dagewesen und nebenher um den Burschen war. Und Wieschen antwortete mit blassen, aber wie zu Eigensinn verzogenen Lippen: „Man weiß noch lange nicht, ob sie ihn sängt."
Wieschen traf mit ihren sonst zielsicheren und festen Schritten den alten ehrlichen Weg nicht wieder, den sie bis da gegangen war. In mancher Stunde suchte sie ihn, fand sich zurück bis zu seinem Rande und verlor sich neu. Seit sie das erste von sich gegeben hatte, gab sie etwas und mehr mit jedem Tage. Sie mußte reich gewesen sein, weil sie soviel zu vergeben hatte. Es war oft, daß sie den Florentin mit solchen Augen ansah, als frage sie ihn: Ist es noch nicht genug, was ich gebe? Und der Klen antwortete ihr im Mienenspiel und Wesen: Ich will mehr, ich will alles haben.
Es war draußen kühl gewesen und hatte geregnet ein paar sommerliche Tage hindurch, dann kam mit der Sonne das Warmwerden wieder. Ganz langsam kam es und stieg durch die Stunden und Tage, bis die Sonne ihre Strahlen wie Erntegarben in den Feldern aufstellte.
Wieschen trat einmal hinzu, als der Florentin bei seinen Blumenbeeten kniete und die verregnete Ordnung wieder herstellte. „Es war wohl not, daß es warm wurde," sagte sie, wie sie sah, daß er einer fauligen Nelke die Blüte abkniff.
Er sprang auf und trat an sie heran. „Siehst du nun, wie meine Blumen nur mit Wärme leben wollen? Wie alles hier draußen danach schreit? Und hast dich einmal gewundert, wie ich so ganz in meinem Garten hinlebe, daß mich selber auch nach Wärme verlangtI"
Wieschen hatte stille qualvolle Stunden. Sie hielt, wie sie schaffte und schwieg, stille Zwiesprache mit sich selbst. Sie dachte an alle Liebe, wie sie gewesen war und sah auf den Keim, den sie jetzt trieb. Der Keim scheute aber das Licht, so trieb er als Wurzel in den Boden, durchwuchs ihre Seele und umklammerte sie. Ihre Liebe war wie ein leuchtendes Glas gewesen, welches