Reichsspiegel
(vom 1. Juli bis 7. Juli)
Bank und Geld
Der Quartalswechsel — Die Anspannung der Reichsbank — Die Spekulation am Kassamarkt — Veränderte .Notierungsweise und deren Gefahren — Kaliwerke Jessenitz — Die Finanzierungsmethoden der Kaliwerke — Das Risiko der Kaliobligationen
Der gefürchtete Quartalswechscl ist vorüber. Man durfte darauf gespannt sein, ob die Reichsbank, nachdem sie das ungewöhnliche Experiment gewagt hatte, ihren Zinsfuß kurz vor dem Termin herabzusetzen, der Situation sich vollkommen gewachsen zeigen würde, und ob die Gestaltung der Geld Verhältnisse am Monatsende nachträglich eine Rechtfertigung jener finanzpolitischen Maßnahme zu liefern vermochte. Man darf Wohl sagen, daß das Experiment geglückt ist. Allerdings ist die Anspannung, welche der Reichsbankausweis erkennen läßt, größer als jemals an diesem Termin zuvor. Denn die Verschlechterung des Status in der letzten Juniwoche beläuft sich auf nicht weniger als 690 Millionen, gegen 633 Millionen im Vorjahr, das doch schon wesentlich höhere Ziffern gebracht hatte als seine Vorgänger, Die ansteigende Linie in der Anspannung der Reichsbank ist also einstweilen noch nicht unterbrochen worden. Dabei darf man nicht übersehen, daß der Quartalsausweis diesmal nur bis zum 29. Juni reicht und den Termin der größten Inanspruchnahme, welche dieses Jahr auf den 1. Juli fiel, nicht mit umfaßt. In Wahrheit ist daher die Verschlechterung des Status eine noch viel erheblichere gewesen als die offiziellen Ausweisziffern erkennen lassen. Auf der anderen Seite aber ist erfreulicherweise die metallische Deckung der Noten eine etwas bessere als im Vorjahr. Der Metallbestand der Bank ist eben um etwa 100 Millionen gegen das Vorjahr und sogar um 200 Millionen gegen 1910 angewachsen. Das ist immerhin ein Erfolg, der gegenwärtig an der Reichsbank befolgten Politik, wenn auch nur ein bescheidener, wenn man damit die Zunahme des Bedarfs in Parallele setzt.
Es wird nun für die weitere Gestaltung der Verhältnisse alles darauf ankommen, ob die proklamierte Politik der Zurückhaltung allenthalben genügendes Gehör findet. Man hat sich in den letzten Monaten unzweifelhaft ernsthaft bemüht, der an der Neichs- bank ausgegebenen Parole zu folgen und teils freiwillig, teils unter dem Druck der Verhältnisse die Ansprüche an den Geldmarkt nach Kräften zurückgeschraubt. Vielleicht ist sogar seitens der Banken nach dieser Richtung manches zuviel geschehen. Man darf wenigstens die Frage aufwerfen, ob ein weniger rigoroses Vorgehen in der Kreditbeschränkung nicht manche Erschütterung hätte mildern und ihrer bedauerlichen Rück-