Reichsspiegel
(vom 10. Juni bis 17. Juni)
Die ausländischen Arbeiter in Deutschland
Die deutsche Feldarbeiterzentralstelle hat unlängst ihren Jahresbericht über die Tätigkeit im Geschäftsjahr 1910/11 vorgelegt. Der diesjährige Bericht stellt zum großen Teil einen Abwehrversuch gegenüber Kritiken dar. die seinerzeit an dem vorjährigen Bericht aus nationalen Kreisen geübt worden sind.
Zunächst wollen wir das Tatsächliche aus dem neuen Bericht hervorheben, der wiederum eine Steigerung der Tätigkeit der Zentralstelle ergibt, d. h. auf eine fortgesetzte Vermehrung der Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Deutschland schließen läßt. Die Haupttätigkeit der deutschen Feldarbeiterzentralstelle besteht — auf Grund einer ihr von der Regierung erteilten Befugnis — im Ausfüllen von Legitimationskarten für die ausländischen Arbeiter, zu welchem Behus an den Grenzstationen Kontrollämter eingerichtet sind. Neben der Legitimierung der ausländischen Arbeiter betreibt die Zentralstelle in begrenztem Umfange auch die Arbeitsvermittlung. Die Zentralstelle unterhält rund ein halbes Hundert Abfertigungsstellen für die Legitimierung in den verschiedenen Grenzämtern. Die Kontrolle der ausländischen Arbeiter ist noch keine ganz vollständige. Ursprünglich hat nur Preußen die Feldarbeiterzentralstelle mit dieser Kontrolle beauftragt; dann aber haben sich auch andere Staaten, insbesondere Sachsen, angeschlossen, und in jüngerer Zeit hat das Reichsamt des Innern bei den einzelnen Bundesregierungen vorgeschlagen, daß sie sich vollzählig dem preußischen Vorgehen anschließen mögeil — ein Vorschlag, der jedoch noch nicht allseitige Annahme gefunden hat. So ist denn die wirkliche Zahl der in Deutschland beschäftigten ausländischen Arbeiter noch beträchtlich größer als die Zahl, die sich aus den Legitimationskarten der Feldarbeiterzentralstelle ergibt; d. h. sie wird im letzten Jahre die Höhe von 700000 Köpfen beträchtlich überschritten haben. Die Zentralstelle ihrerseits berichtet:
An Legitimationskarten wurden ausgegeben an: