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Wilhelm Münch (✝25. März 1912
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Die Völkerwanderung hat vielleicht weniger Werte vernichtet als die gegenwärtigeKultur" Werte zergehen läßt. Seelisches Leben ist weithin bloßem Nervenleben gewichen, Zentralität der Persönlichkeit wird kaum irgendwo gesucht, Verantwortung. Pflicht, Selbstüberwindung usw. werden unbekannte Begriffe. Das innere Elend des Großstadtlebens greift immer weiter. Gleich­wohl, wenn es unter diesen Verhältnissen schwerlich der Geisteskraft einer ein­zelnen Person möglich wird. Hemmung und Umkehr im Großen zu bewirken: man darf auf die immanente Regenerationsfähigkeit der Menschheit hoffen; es ist die einzige Möglichkeit, um überhaupt Hoffnung zu behalten."

Münch, der Pädagoge, Münch, der Lebensphilosoph, Münch, der Kultur­kritiker hat uns noch etwas zu sagen. Seine stillen Worte werden auch im Geräusch des heutigen Lebens hellhörige Ohren finden.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Philosophie

Zum vierten Male sind Windelbnnds Präludien" (Aufsätze und Reden zur Ein­leitung in die Philosophie. Verlag von I. C. B. Mohr sPnul Siebecks, Tübingen) in die Welt gegangen, auch jetzt wieder um einige wertvolle Beiträge (Nach hundert Jahren" zu Kants hundertjährig ein TodestageSchillers trans- cendentalerJdealismus",Die Erneuerung des Hegelianismus",Pessimismus und Wissen­schaft",WerWesen undWert der Tradition im Kulturleben",Bildungsschichten und Kultur­einheit",Kulturphilosophie und transcenden­taler Idealismus") vermehrt, so daß eine Tei­lung in zwei Bände nötig wurde. Sie spiegeln Gedanken eines der bedeutendsten Philosophen der Gegenwart, die ihn ini Lause von sünf- unddreißig Jahren bewegt haben. Die form­vollendeten Untersuchungen sind zum großen Teil durch Ereignisse des akademischen Lebens, durch geschichtliche Gedenktage usw. veranlaßt worden. Deshalb sind ihre Gegenstände so mannigfach. Der erste Band enthält Ab­handlungen historischen Charakters, während der zweite Band mehr oder weniger syste­matische Untersuchungen vereinigt. Wo wir hmgreifen, genießen wir die Frucht reifer und tiefer Überlegung. Schlagen wir etwa den Aufsatz über Hölderlin und sein Geschick auf, so fesselt uns die geistvolle Durchführung des

Gedankens, daß des unglücklichen Dichters Wahnsinndas charakteristische Symptom für eine soziale Krankheit ist, welche sich aus den eigentümlichen Verhältnissen des modernen Geisteslebens entwickelt hat und immer gefährlichere und drohendere Ge­stalten annimmt". Die uns drohende Gefahr liegt in dem widerspruchsvollen, vielfältigen und verzweigten Charakter unsrer Kultur, dem das einzelne Individuum hilflos gegenübersteht Diese Notlage drangt auf die Bahn des Dilettantismus, der heut­zutage auf allen Gebieten des geistigen und öffentlichen Lebens, ja in den öffentlichen In­stitutionen (der Parlamentarismus!) sein Wesen treibt. Oder greifen wir zur Rede, die Windelband aus Anlaß des Straßburger Denk­mals für den jungen Goethe gehalten hat: wie fein sind da die Umrisse der Philosophie Goethes gezeichnet! Uns packt der Zusammen­klang von Goethes Individualismus und des tief in ihm wurzelnden religiösen Gefühls, daS in der Ehrfurcht vor den uns umgebenden Geheimnissen seinen Ausdruck findet, in der Ehrfurcht, die er als den sittlichen Kern aller Erziehung bezeichnet hat. Und dann mag uns wieder ein Aufsatz fesseln, der die wissen­schaftliche UnbeweiSbarkeit der Geltung des Pessimismus und Optimismus dartut oder der die Betrachtung unseres Lebens sub speeie seternitstis lehrt.Das Licht der Ewigkeit