Maßgebliches und Unmaßgebliches
489
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Literat
ur
Almquists Werke. Auswahl in zwei Bänden, übertragen von A.Mens. Leipzig, Jnselverlag. 1912. Geh. 8 M.. geb. 12 M.
Dies ist ein sehr merkwürdiges Buch, und wenn das deutsche Publikum seit uralten Zeiten ein Gewohnheitsrecht darauf hat, das; ihm alles Merkwürdige, das irgendwo auf Erden erscheint, vorgelegt wird, so durste ihm eine Auswahl aus Almquists Werken gewiß nicht vorenthalten werden. Doch machen wir Zunächst dem kritischen Herzen durch einige Ausstellungen an der Ausgabe Luft. Wozu das Geheimnisvolle? Der Name Mens findet sich nicht bei Kürschner und nicht bei Degener, bei letzterem auch nicht unter den Pseudonymen, und ein solches liegt doch Wohl vor. Die poetischen Stücke aber wurden „von W. in die metrische Form übertragen". Anonymität scheint uns bei Übersetzungen noch weniger angebracht als bei Originalwerken. Und die Übersetzer brauchten sich doch wahrlich ihrer Arbeit nicht zu schämen. Auch die biographische Einleitung läßt doch zu vieles im Dunkeln und uns fiel dabei der einem allzuviel räsonnierenden Literarhistoriker zugerufene Vers ein:
Sag uns ohne Hinterlist, Wann Hans Sachs das Licht erblickte, Weckerlin gestorben ist. Sie wird eröffnet durch eine überaus bittere und charakteristische Briefstelle; leider "ber erfahren wir weder an wen der Brief gerichtet, noch wann er geschrieben ist. Der Lebenslauf Almquists ist übrigens derart, dasz, wenn ein anderer Dichter ihn uns als Roman ^'zählte, wir an der UnWahrscheinlichkeit Anstoß nehmen würden. Geboren 1793 in Stockholm, wendet er sich, wie die meisten seiner Vorfahren, der Theologie zu, wird dann Hauslehrer, später Bibliothekar, begiebt sich °ber, dreißigjährig, aufs Land, um ein hübsches Bauernmädchen zu heiraten und selbst richtiger Bauer zu werden. Das ging nun so, so lang ^ ging. Im Jahre 182S kehrt er nach Stockholm zurück und lebt von Abschreiben, Notenschreiben (nicht der einzige Berührungspunkt
mit I. I. Rousseau), Privatunterricht, bis er 1829 Rektor einer „neuen Elementarschule" wird, die auf das ganze Unterrichtswesen Schwedens reformierend einwirken sollte. Anfangs ein vortrefflicher Lehrer, vernachlässigte er dann unter einer ungeheuren Arbeitslast — er mußte Lehrbücher für alle Fächer schreibenI — den eigentlichen Unterricht, erhielt einen langen Urlaub und reiste „ins Ausland", nämlich nach Frankreich (1340 bis 1341). In Upsala hatte er inzwischen 1837 die Päpstlichen Weihen empfangen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat aber finden wir ihn wegen seiner freisinnigen Ansichten in einem mehrjährigen Konflikt mit den geistlichen Oberbehörden, bei dem beide Parteien eine äußerst trübe Rolle spielen; doch setzt er es durch, als Pastor angestellt zu werden. Und noch unerquicklicher war ein Konflikt, in den er als Mitarbeiter der liberalenZcitung„Aftonblerdet" geriet und wobei er von dem Beleidigten öffentlich, wie es scheint nicht ohne Grund, jedenfalls ohne weitere Folgen, geohrfeigt wurde. Die Chronologie der vorliegenden Ausgabe ist übrigens, vielleicht auch durch Druckfehler, S. 12 ff. der Einleitung, völlig im argen. S. 12 heißt es, daß Almqnist im Jahre 1846 zum Regimentspastor ernannt worden sei, und S> 13: „Seit 1846 wurden die ökonomischen Verhältnisse immer zerfahrener. Für den Gesellschaftsumstürzler hatte die Gesellschaft kein Brot mehr." Jedenfalls kam es in den folgenden Jahren vom Schlimmen zum Schlimmsten: Schulden, Wechselfälschung, Anklage wegen versuchten Giftmordes (an einem Wucherer). Es gelingt Almquist im Juni 1861 nach Amerika zu entfliehen. Von seinem späteren Leben aber wird uns nur noch mitgeteilt, daß er (wann?) nach Europa zurückgekehrt sei, als „Professor Westermann" nach Bremen gezogen, hier 1866 im Allgemeinen Krankenhaus gestorben und auf dem Armenfriedhof beerdigt worden sei. „Er war Teufel und Heiliger, Held und Feigling, Sophist und Fanatiker, Schwärmer und kalter Rechner". (S. 39.)
Bei einem so unstäten Leben hat Almquist eine wahre Unzahl von Büchern und AbHand-