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Reichsspiegel :
(vom 21. bis 27. Mai)
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Reichsspiegel

(vom 21. bis 27. Mai)

Bank und G eld

Der Stcmtskommissar und die Berliner Börse Spekulation am Kassamarkt Ursachen der Kursschwankungen der Kassawerte Unterschied zwischen Kassahnndel und Terminmarkt Die jüngsten Kurssteigerungen am Kassamnrkt Die wirt­schaftliche Rolle der Börsenspekulation

Der Staatskommissar an der Berliner Börse hat sich veranlaßt gesehen, in einem Schreiben den Börsenvorstand auf die Ausschreitungen aufmerksam zu machen, welche seiner Ansicht nach sich die Spekulation am Kassamarkt der Industrie werte zu Schulden kommen läßt und der Erwägung anheimzugeben, ob nicht durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch eine Abänderung der jetzt üblichen Notierungsweise, diesen Mißständen abgeholfen werden könne. Dieser Schritt des Staatskommissars ist ein durchaus ungewöhnlicher und hat mit Recht das allergrößte Aufsehen hervorgerufen. Was gab den Anlaß zu solch auffälligem Vorgehen? Herrschen wirklich an unserer Börse so anarchische Zustände, daß ein Eingreifen von Aufsichtswegen erforderlich ist, um Ordnung zu schaffen und schwere Schäden abzuwenden? Nichts von alledeml Den äußeren Anlaß zu dem Eingreifen des Staatskommissars gab der Umstand, daß an der Berliner Börse seit einiger Zeit eine besonders lebhafte Spekulationstätigkeit am Kassaindustriemarkte zu beobachten ist. Diese steht indessen in ausgesprochenem Gegensatze zu dem Verhalten der Ultimomärkte, dem eigentlichen Tätigkeitsfeld der sogenannten Berufsspekulation. Denn während mit wenigen Ausnahmen die Kurse der hauptsächlichsten Speku­lationswerte, insbesondere die Montanpapiere, eine Neigung zur Schwäche zeigen und erheblich niedriger notieren, als zu Beginn des Jahres, geschweige denn als zur gleichen Zeit des Vorjahres, sind unter den gegen Kasse gehandelten Werten eine große Anzahl zu verzeichnen, deren Kurse in wilden Sprüngen nach oben geeilt sind und in denen täglich die größten Schwankungen stattfinden. Schon dieses verschiedene Verhalten der beiden Märkte läßt erkennen, daß die Vorgänge am Kassamarkt nicht aus ein allgemeines Spekulationsfieber zurückgeführt werden können. Denn wenn die Börse zu Ausschreitungen geneigt ist, so pflegt dies zu­nächst und hauptsächlich im Terminmarkt in Erscheinung zu treten. Ganz natürlich-, denn Ultimopapiere sind die Aktien der größten Banken, der bedeutendsten industriellen Gesellschaften. Ist die wirtschaftliche Konjunktur derart, daß sie eine aufsteigende Börsentendenz rechtfertigt, so wird die letztere sich daher zunächst und am ent- schiedensten in der Bewertung dieser Aktienkategorien geltend machen. Dies um- somehr, als gerade der Terminhandel der Spekulation eine sehr bequeme Hand­habe bietet, die Preisgestaltung der wirtschaftlichen Beurteilung anzupassen, weil er von der effektiven Ware losgelöst ist. Es können jederzeit ohne weiteres Käufer eintreten, die nicht Willens sind, die gekaufte Ware effektiv zu beziehen, da sie bis