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Reichsspiegel :
(vom 13. bis 20. Mai)
Seite
398
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Reichsspiegel

(vom 13. bis 20. Mm)

Aciiser und Reich

Rückkehr aus Korfil Die Besprechung in Stuttgart Der Kaiser in Straßburg Ausbeutung der Kaiserworte durch Demokraten Unzulässigkeit des Vergleichs mit 1903 Konsequenzen Bethmann im Glück Zentrum und Nationalliberale über Besitzsteuern

Nach sechswöchentlicher Abwesenheit hat der Kaiser am Sonnabend, den 11. d. Mts., wieder deutschen Boden betreten, erwartet von der Ungeduld derer, die sich von seiner Rückkehr die Entscheidung über verschiedene schwebende Fragen der auswärtigen Politik versprachen. So hat denn auch sein erstes Zusammen­treffen mit den verantwortlichen Leitern der deutschen auswärtigen Politik, mit dein Reichskanzler und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts, denen sich Freiherr Marschall von Bieberstein, nunmehriger Botschafter in London, angeschlossen hatte, eine ganz besondere Aufmerksamkeit gefunden. Was in Stuttgart im einzelnen zwischen dem Monarchen und seinen obersten Vertrauensmännern be­sprochen wurde, entzieht sich naturgemäß unserer Kenntnis.

Von Stuttgart hat sich der Kaiser zunächst nach Straßburg begeben, wo er durch eine unvorhergesehene Kundgebung die Aufmerksamkeit des gesamten Jn- und Auslandes auf eine Frage gelenkt hat, die schon lange einen wunden Punkt an Deutschlands innerer Politik bedeutet: auf die elsaß-lothringische. Vom Kanzler, aber auch von den zuständigen kommandierenden Gsneralen davon unter­richtet, daß die jüngste Entwicklung der Stimmung in den Reichslanden die Warnungen aller derer rechtfertigt, die seinerzeit gegen die Einführung einer neuen Verfassung Einspruch erhoben, unterrichtet von den Taktlosigkeiten gegen die Person des Monarchen selbst, dessen Initiative die Elsaß-Lothringer doch in erster Linie die neue Verfassung zu danken haben, hat der Kaiser seinem Unwillen in einem Gespräch privaten Charakters mit dem Oberbürgermeister von Straßburg kräftigen, seinem Temperament entsprechenden Ausdruck verliehen. Die laut gesprochenen Worte des Kaisers sind auch von solchen Personen gehört worden, für die sie vielleicht nicht bestimmt waren, und diese haben sie mit starken Übertreibungen an die französische Presse weitergegeben.

Den Feinden eines auf Vertrauen beruhenden Verhältnisses zwischen Kaiser und Nation kommen die Äußerungen des Monarchen naturgemäß sehr gelegen,