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Der Wiesenzaun : eine Dürer-Novelle
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Der Wiesenzaun

«Line Dürer-Novelle Oon Franz Aarl Ginzkey 4.

Das traurige Schicksal des Jörg Graff begann sich mählich wieder zu erhellen. Er vermochte zwar noch oft in die heftigste Verzweiflung über seine Blindheit zu geraten, aber es gab doch mancherlei Ablenkungen und bescheidene Freuden, zumal wenn es um die Befriedigung seiner nicht geringen Eitelkeit ging. Er war vor allem nicht wenig stolz darauf, daß von feiten des hohen Rates der Nachdruck seiner Lieder auf ein Vierteljahr verboten ward, was sich im Volke genugsam herumsprach und das Ansehen seines Namens verbreitete. Es drängten sich nunmehr die Sachverständigen und Schaulustigen herbei, wenn er irgendwo in einer Schenke sang, uud mancher klugberechnende Wirt verstand daraus seinen Vorteil zu ziehen. Besonders die ehrsame Innung der Gürtler war es, die dem einstigen Zunftgenossen noch immer getreulich anhing und sein abenteuerliches Schicksal mit gruseligen: Mitleid iiber sich ergehen ließ.

Doch mehr noch als des blinden Sängers urwüchsig derbe, als sichere Pfeile ins Herz des niederen Volkes abfliegende Lieder vermochte die Schönheit und das seltsame Gehaben seiner Tochter die Neugier des lieben Publikums zu reizen.

Felicitas begleitete den Vater stets in die Schenke und führte ihn auch wieder nach Hause, tat aber im übrigen, als hätte sie keinerlei Anteil an allen,, was sonst mit des Vatershofierendem" Gewerbe zusammenhing. Sie saß ganz still und gelassen an seiner Seite, als gehörte auch sie den Zuhörern an, und dankte auch keineswegs, wenn ein freigebiger Gast seinen Heller oder gar einen Weißpfennig mit Geklirr auf den zinnernen Teller warf. Zuweilen trank ihr ein Wohlgelaunter oder ein von ihrer Schönheit Betroffener kühnlich zu; dem dankte sie nur, wenn es in allen Ehren geschehen konnte, nnd wußte sich ansonsten jegliches ungeziemende Gespäße oder Gedeute so glatt vom Leibe zu halten, daß den abgeblitzten Unternehmer gar bald eine reuige Verwirrung überkam.