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Reichsspiegel :
(vom 19. bis 25. März)
Seite
636
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Reichsspiegel

(vom 19, bis 2S. März)

Zentrum, Liberale und Regierung

Die Negierung im Joch der Ultrmnontnnen Vor sechs und sieben Jahrenl Rücktritt Wermuths Eine Parallele mit Lindequist Begünstigung des Par­lamentarismus Vorstandssitzung der nationalliberalcn Partei Friktionen bei den Reichsämtern Verhandlungen mit England Wehrvorlagen

Wer mit Nachdenken die Geschichte liest, wird finden, daß fast immer die­selben Szenen vorkommen, in denen nur die Namen der handelnden Personen geändert zn werden brauchen. An diesen Gedanken Friedrichs des Großen gemahnen uns wieder einmal die Vorgänge der beiden letzten Wochen in der inneren Neichspolitik. Es ist, als wenn die Jahre 1904, 1906 und 1906 wieder­gekehrt wären und als habe es kein 1907 gegeben. Wieder ringen das Zentrum und die liberalen Mittelparteien um die Vorherrschaft, und wieder gerät die Reichsregierung langsam aber sicher unter das kaudinische Joch der Ultramontanen. Herr v. Bethmann befindet sich genau in der gleichen Lage wie seinerzeit Fürst Bülow: er ist sich wohl bewußt, daß kein Staat ohne eine starke Dosis liberaler Prinzipien mehr voran gebracht werden kann; und doch ist er darauf angewiesen, sich der durchaus nicht liberalen Zentrumspartei zu bedienen, weil die vorhandenen liberalen Parteien nicht in dem Zustande der Festigkeit leben, der erforderlich wäre, um darauf eine starke Negierungsautorität zu begründen. Herr v. Bethmann ist nicht der finstere Reaktionär, als den ihn manche erscheinen lassen möchten, er rechnet nur mit den gegebenen Faktoren, was wieder zur Folge hat, daß er sich von der kompakten, zielsicher vorwärts­strebenden Masse der Mtramontanen mitschleppen läßt, wie sein Vorgänger argwöhnisch bewacht von den Konservativen, daß er ja den Liberalen kein Zeichen der Beruhigung zukommen lasse. Die Zentrumspartei macht dagegen wieder einmal ihrem Namen Ehre: sie bildet den Mittelpunkt der deutschen Reichspolitik und zwar aus eigener Kraft, trotz sehr anrüchiger Antezedenzien in nationalen Dingen, lediglich weil sie eine Macht ist!

Vor sechs und sieben Jahren war es das Kolonialamt, heute ist es das Reichsschatzamt, das den Hintergrund für die Szene bildet, auf der Liberale