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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Kunstges chichte

Clermont. Die Leser der Grenzbotenhaben die spanischen Studien und das vortreffliche WerkKirche und Staat in Frankreich" von vosäevises äu DL-ert kennen gelernt. Die letzte Arbeit des unermüdlichen und liebens­würdigen Gelehrten, zu der er einen Gehilfen herangezogen hat, ist der Statte seines Wirkens gewidmet: Llermant-^errancl, I^o^st et le ?u^-cts-Oüme par (Z, Oesctevises clu Oe^ert, Oo^en cte la I^cult(: äes I^ettres et I^ouis Lreluer, prokesssur ^ la?ALuItö cles I^sttres 6s Llermont-k^errsiiit. (1910. Ein Beitrag zu der in der Librairie Renouard, Paris, erscheinenden Sammlmig I^es Villes cl'/^rt Le!ebre5). Deutsche Architekten und Kunstfreunde werden ihre Freude haben an dem gründlichen Text und den schönen Ab­bildungen des kleinen Quarlbaudes. Eiu Überblick über die Geschichte der Doppelstndt, deren vornehmere Hälfte jedermann von der Schulbank her kennt, belehrt uns, daß auf ihrem Areal die Nömerstndt Augustonemetum, Hauptstadt der Arvcrner, gestunden hat, von der die Ausgrabungen nur wenige Neste zu­tage gefördert haben. Die Stadt liegt noch im Bereich der Lcmgne d'Oc, in dessen nörd­lichstem Gipfel, und Hut im Mittelnlter, zu­sammen mit der ganzen Auvergne, einen Baustil von eigner» Charakter ausgebildet, der sich durch Kraft und Solidität auszeichnet. Aus der Zeit vor Beginn des germanischen Einflusses waren außer heiduischen Skulpturen auch christliche im Stil der Antike erhalten geblieben; deren Marmor ist jedoch unter der Schreckensherrschaft in Kalk verwandelt worden; nur ein als Altar benutzter Sarkophag ward gerettet. Der auvergnatischc Stil erwuchs in der Zeit vom zehnten bis zwölften Jahr­hundert, natürlich im Rahmen des damals

im Abendlande herrschenden romanischen Stils. Kulturgeschichtlich merkwürdig ist die fcstungs- nrtig gebaute und niit Schießscharten ver­sehene Kirche von Royat. In jener Zeit der erst keimenden nordischen Kultur, wo kleinere Ortschaften nußer ihrer Kirche keinen größeren Steinbau hatten, diente die Kirche (wie andere Autoren namentlich auch aus England be­richten) als Gemeinde- und Volkshaus im weitesten Sinne deS Wortes. Nicht allein die religiösen, sondern auch die weltlichen Fest­lichkeiten wurdeu darin abgehalten, dazu Ge- meindeversnmmluugen und Gerichtsverhand­lungen, uud vor räuberischen Einfällen, in Kricgszeiten, wurden Vorräte, Frauen und Kinder in ihren festen Mauern geborgen. Es ist also nicht zu verwundern, daß man manche Kirche gleich von vornherein geradezu als Burg oder Zitadelle augelegt hat.

In den letzten Jahrzehnten, wo sich die Kunstgelehrten immer eifriger mit unsern heimischen Bauwerken beschäftigt haben, ist die Vorstellung des achtzehnten Jahrhunderts, daß die nordischen Völker ihre Bildnerkunst aus­schließlich der italieuischen Renaissance ver­dankten, berichtigt worden. Die Bildsäulen des Doms zu Bamverg z. B. beweisen für sich allem schon, daß die Germanen, nachdem sie mit Hilfe ihrer italienischen Lehrmeister vier bis fünf Jahrhunderte vor der Re­naissance die elementaren technischen Schwierigkeiten überwunden hatten, auf eiguen Füßen standen und imstande waren, wie in der Malerei, so auch in der Bildhauerei aus sich heraus Lebensvolles zu gestalten. Ahn­liche Wahrnehmungen haben deutsche Reisende aus Frankreich mitgeteilt, und das vorliegende Heft führt uus neues Veweismaterial vorAugen. Höchst interessant sind die Säuleuknpitelle der im zwölften Jahrhundert erbauten Kirche Notre-Dame-du-Port in Clermont. Ihr