Beitrag 
Der Weg zur Eroberung der Ostmark
Seite
545
Einzelbild herunterladen
 

Der Weg zur Eroberung der Ostmark

von Giro Lohmanii-Rnßbüldl in Berlin

^'«^^^^

n semer Programmrede zur Polenpolitik vom 13. Januar 1902 und auch ein Jahr später, am 19. Januar 1903, hat Fürst Bülow die Ostmarkenfrage nach wie vor für die wichtigste Frage unserer innerpreußischen Politik" erklärt. Wenn ein Staatsmann, der naheza ein Jahrzehnt die Geschicke des Deutschen Reichs verantwortlich geleitet hat, einen solchen Superlativ gebraucht, so erscheint mag er in der Sache selbst recht haben oder nicht ein erhöhtes Interesse für die Ostmarkenfrage gerechtfertigt.

Das Deutschtum kann bestenfalls nur davon reden, daß es das Vordringen des Polcntums wenigstens aufgehalten habe. Das ist kein Geheimnis. Auf alle Einwürfe, die gegen die Polenpolitik ständig erhoben werden, wird stets dasselbe Argument vorgebracht, das auch Fürst Bülow am 23. Januar 1904 im preußischen Abgeordnetenhaus geltend machte:Der Abg. Nichter hat gemeint, daß unsere Polenpolitik das Gegenteil des gewollten Zweckes erreicht habe. Darauf erwidere ich, daß von polnischer Seite unsere Ostmarkenpoliti!, ins­besondere das Ansiedlungsgesetz uicht mit solcher Lebhaftigkeit bekämpft werden würde, wenn unsere Maßnahmen eine schartige Waffe gewesen wären. Ich glaube, daß ohne die Maßnahmen, die wir dem Polentum gegenüber getroffen haben, dieses noch größere Erfolge erzielt und noch weitere Fortschritte gemacht haben würde."

Das war im Jahre 1904.

Inzwischen sind jährlich fünfzig deutsche Dörfer in den Ostmarken mit insgesamt 120000 Ansiedlern ins Dasein gerufen worden. Selbst die Gegner jeder Polenpolitik müssen das Ansiedlungswerk als kulturell höchst wertvoll gelten lassen. Trotzdem ist das Endergebnis so allgemein und aus den verschiedensten

Grmzboten I 1912 70