Flugwesen
Von t^cmptmann de le Roi-Berlin
enn man die aeronautische Literatur vor etwa zwölf Jahren durchblättert, so kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, daß die Mehrzahl der Luftpraktiker von der Flugtechnik nicht so recht etwas wissen wollten. Es ist dies insofern wohl entschuldbar, als praktische Erfolge nur auf dem Gebiete „leichter als die Luft" erzielt waren, während man auf dem Gebiete „schwerer als die Luft" von praktischen Versuchen kaum etwas wußte, höchstens gelehrte Abhandlungen in den Fachblättern über die Möglichkeit des Fluges, gespickt mit Integralen und Differenzialen, zu lesen waren.
Zur Charakterisierung, wie man seinerzeit über die Drachenflieger, den einzig jetzt bestehenden Typ von Flugmaschinen dachte, führe ich folgendes Urteil eines Hochschulprofessors an:
„Bei den Drachenfliegern bietet die Erzielung einer guten Stabilität des Fluges insbesondere das Einhalten eines zweckmäßigen Flächenneigungswinkels kaum überwindliche, gefahrvolle Schwierigkeiten usw." Ferner:
„So kommt es, daß alle Vorführungen von Drachenfliegern in mehr oder minderem Grade mißglückt sind."
Aussichtsvoller, wenn auch nicht ohne ironischen Beigeschmack reimte im Jahre 1899 die Jugend:
Wer macht auf Grund der Wissenschaft Den Luftballon aus Seidentafft? Wer löst nach logischem System Vielleicht nochmal das Flugproblem, Und wird dadurch zum Millionär? Natürlich nur der Ingenieur I Grenzboten I 1912 62