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Vom "Geschmack" der Völker
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vomGeschmack" der Völker

Studien vor der Lichtbildbühne von Dr, W, Warstat-Altona

i en literarischen Bühnen unserer Großstädte, deren Existenz schon an sich kaum als eine mühe- und sorgenlose bezeichnet werden kann, wird heute durch die so zahlreich ins Kraut oder besser ins Unkraut schießendenLichtbildbühnen", durch die Kinematographentheater, eine sehr fühlbare Konkurrenz gemacht. Die Mittel, welche man zur Bekämpfung dieser Konkurrenz angewendet hat Veranstaltung ganz billiger Volksvorstellungen, Dauervorstellungen ein- und kurzaktiger Stücke u. a. werden so lange wenig Erfolg haben, als die Lichtbildbühne billiger arbeiten kann als die literarische Bühne, und so lange, als die Filmindustrie mit feinem Gefühl für den Geschmack der Masse deren Sensations- und Neuigkeitshunger zu befriedigen versteht. Es ist um so mehr zu bedauern, daß die Lichtbildbühne sich mit dem Umherplätschern und Umherstöbern in dieser teils seichten, teils trüben und übelriechenden Flut begnügt, als sie die wirkliche Fähigkeit und daher auch die Pflicht besitzt, wissens- und geschmacksbildende Werte zu produzieren.

Anstatt dessen hat sich allmählich in den führenden Ländern der Film- produktion, in Frankreich, in Italien, in Amerika und Dänemark ein jeweilig durchaus eigenartiger Stil, ein deutlich bestimmter Geschmack herausgebildet, der sich im Charakter der einzelnen Films so stark ausspricht, daß es für einen einigermaßen geübten Beobachter keine Schwierigkeit hat, nach dem bloßen Ansehen des Films ihn als einen französischen, italienischen, amerikanischen oder dänischen zu bestimmen. Es ist bezeichnend, daß das deutsche Fabrikat eine solchepersönliche Note" nicht auszuweisen hat. Das liegt zwar in erster Reihe daran, daß die deutsche Filmindustrie noch beträchtlich hinter der ausländischen zurücksteht, die den Weltmarkt beherrscht, zum Teil aber mit daran, daß wir Deutschen wieder einmal bei uns den Schund aufnehmen, der von auswärts kommt. Dafür kann man allerdings konstatieren, daß gerade die wissenschaftliche Kinematographie, die Kinematographie mit pädagogischen Zwecken im weitesten Sinne, bei uns in großer Blüte steht, daß aber gerade diese Gattung der Kinematographie im