Der Schutz der deutschen Rüste
u der Reihe fremdsprachlicher Ausdrücke, für die uns ein entsprechend deutsches Wort fehlt, gehört unter vielen anderen auch das englische „LLaremonZer", ein Wort, dem, seit die deutsche Invasion unbegreiflicherweise in den englischen Köpfen spukt, jede Zeitung jenseit des Kanals ihre Spalten öffnet. Wir Deutschen kennen im politischen Leben das Wort „Unheilskrämer" nicht; wahrscheinlich fehlt es uns, weil wir uns stark genug fühlen, es daher nicht benötigen, und somit für die breiteren Schichten des Volkes kein Bedürfnis vorliegt, ein Sonder- wort zu prägen für Leute, die überall, auch da, wo es nicht nötig ist, eine dem Reiche drohende Gefahr wittern und mit diesem Wittern hausieren gehen.
Der Ernst der letzten Monate, mit seinen Überfallsgerüchten und den Spionageprozessen, hat manchem ruhig Denkenden den Kopf verwirrt. Auch Geschehnisse, wie sie sich immer einmal ereignen, ohne daß man sie in ruhiger Zeit für bedeutend genug hält, sich des längeren mit ihnen zu beschäftigen, sind in der Öffentlichkeit aufgebauscht und zu Ereignissen gestempelt worden, die Einfluß haben könnten auf des Reiches Wohl und Wehe. Mit Recht haben die mehrfachen Spionageprozesse die öffentliche Aufmerksamkeit und Wachsamkett erregt. Es haben aber auch deutsche Männer ihre Stimme erhoben, zum Teil sogar Bürger von Marinegarnisonen, und sind hausieren gegangen mit einer zu weit getriebenen Furcht vor englischer Spionage und mit ihrer Sorge, der Gegner könne unsere ungenügend geschützten Küsten überrumpeln, die Reichsregierung sei mit ihrer Wehrpolitik auf falschem Pfade.
Wird solchem Rufen nicht widersprochen, dann muß auch der ruhig Denkende kopfscheu werden. Ein Land, das seiner Kraft sich bewußt ist, bedarf der 8eai-em0NMr8 nicht. Der Starke findet noch hinter hölzerner Tür erquickenden
Grenzboten I 1912 14