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Fichte und die älteren Romantiker
sondern sich selbst durch immer mehr geläutertes Betrachten, immer tieferes Eindringen erheben und vervollkommnen. Sie findet zuletzt außer dem allgemeinen Sinn noch als Höchstes die Liebe. Sie ist die Anziehungskraft der geistigen Welt, ohne die alles in gleichförmige rohe Masse zerfließen würde. Schleiermacher hat den Flügelschlag des platonischen Eros gefühlt.
Er weiß aber so wenig wie jener Grieche und wie Hölderlin von diesem lc>LU8 contemplativus einen Weg in seine Zeit und ihr widersinniges Treiben zu finden. Auch er verdammt „die Praxis der sogenannten verständigen Leute, die das ganze Leben mit Arbeit und Spiel hingebracht wissen, nur keine ruhige, hingegebene Beschauung" dulden wollen. Auch seiner echt romantischen Abneigung gegen die einseitig herrschende Vernunft in Philosophie und Aufklärung macht er in kräftigen Worten Luft. Gleich Hölderlin klagt er bitter über die Vernachlässigung der seelische« Bedürfnisse in seiner Zeit. Aber so sehr er sich Fremdling fühlt in ihr, so fest ist ihm die Gewißheit von einer späteren besseren Welt, von einem „erhabenen Reich der Bildung und Sittlichkeit". Er nennt sich einen „prophetischen Bürger einer späteren Welt".
Durch Friedrich Schlegel ist Schleiermacher mit den Romantikern zusammengekommen. Diesen war er auch innerlich nahe verwandt, und so konnte es geschehen, daß er sie unmerklich Fichte entfremdete und ihnen einen tüchtigen Anstoß zur Religion hin gab. Daß gegen das Ende des Athenäums die Stimme der Religion immer vernehmlicher wird und jene von der Wissenschaftslehre herstammenden Schlagwörter immer seltener, ist vornehmlich den Reden über die Religion zuzuschreiben. Wäre Schleiermacher nicht so spät erst hervorgetreten, oder hätte die Schule noch einige Jahre zusammengehalten, so würde der Umschwung bemerkbarer geworden sein.
Betrachtet man die Einwirkung Fichtes auf die Romantiker im ganzen, so erhält man den Eindruck eines fortgesetzten Kampfes zwischen zwei grundverschiedenen Richtungen, der sinnlich-romantischen aus den Tiefendes Gefühlslebens herauf und der moralischen, die aus der Vernunfteinheit hergeleitet wird. Daß Fichte trotz dieser inneren Verschiedenheit Friedrich Schlegel und Novalis durch die Macht seiner Persönlichkeit so sehr beherrschte, brachte jenes schillernde Gedankenspiel hervor, wo zwei Extreme sich abwechselnd anziehen und abstoßen und durch ihr unmittelbares Nebeneinander manchen Geistesblitz erzeugen. Zu einer galvanischen Vereinigung ist es nicht gekommen. Das eigentliche Ergebnis der Fichteschen Philosophie für die Schule der Romantik ist der Universalismus Friedrich Schlegels, der allerdings kaum über die Theorie hinausgekommen ist. Wenn wir aber von den: Erfolg absehen und nur fragen, wie jene Männer während der Blütezeit ihrer Schule gestimmt waren und was sie von der Zukunft erwarteten, so können wir den Einfluß Fichtes auf sie nicht leicht zu hoch einschätzen. Aber gerade jene maßlose Selbstüberschätzung mußte, wie schon bei Friedrich Schlegel bemerkt wurde, den Umschlag ins Gegenteil zur Folge haben.