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Aus Abekens Nachlaß
Hatte man damals schon das Gefühl, daß ein Adel ohne reale Voraussetzungen
ein Unding ist?--
Wie aber auch immer eine etwaige Revision der Adelsfrage gestaltet sein soll, jedenfalls drängen heute die Verhältnisse darauf hin, und jedenfalls muß es ihr Ziel sein, zu bewirken, daß diejenigen, die heute in dem längst verflogenen Schall und Rauch eines ehemals mehr oder weniger großen Namens das^ einzige Mittel finden, um sich über ihre gleichgearteten Mitmenschen zu erheben, nicht befugt sein sollen, die Kieselsteine in dem Strom unseres gesellschaftlichen Lebens zu bilden und das Gift des Kastengeistes und der Exklusivität zu nähren und zu verbreiten, das bei uns leider so wenig Widerstand findet und so große Wirkungen ausübt.
Aus V. R. Abekens Nachlaß
Mitgeteilt von Prof. Dr. Hans Gerhard Gräf--Weimar ^Einführung nebst einem Briefe Wielands und einem unbekannten Gedicht Goethes
ernhard Rudolf Abeken, der den Freunden der Goethe-Schiller- Literatur wohlbekannte Philologe und Literarhistoriker, Oheini des preußischen Diplomaten Heinrich Abeken, starb im Alter von 86 Jahren am 24. Februar 1866 als Direktor des Ratsgymnasiums seiner Vaterstadt Osnabrück. In seinem viele Jahrzehnte hindurch sorgfältig geführten Tagebuch findet sich unterm 5. Juli 1846 folgende Bemerkung: „Da sich mein Leben zum Ende neigt, gewährt es mir Interesse, die 66 Jahre mit ihren vielen merkwürdigen Begebenheiten 'vor meinem Geiste vorübergehn zu lassen. Geboreil während des Amerikanischen Freiheits-Krieges (1780), zur Zeit Friedrichs II., fiel mein frühester bewußter Blick in die Französische Revolution; dann Universitäts-Jahre in Jena während dessen glänzender Periode (1799—1802) — in Berlin um die Zeit der Napoleonischen Herrschaft (1802—8) — Weimar, wo Goethe und Wieland noch lebten (1808—10). in Schillers Hause — Napoleon oft gesehn, in Berlin, Erfurt, Weimar — Die Freiheits-Kriege - - In die Heimath zurück nach der Schlacht bei Waterloo — Nach hergestellten! Weltfrieden Gährungen im Innern: politische, religiöse, sociale". Begleitete Abeken die politischen Ereignisse seiner Zeit auch mit lebhaftester Anteilnahme, so lag doch der Schwerpunkt seines Interesses nicht, wie es nach dieser Tagebuchnotiz scheinen möchte, auf diesem Gebiet, sondern auf dem der Ästhetik, insbesondere der Dichtkunst. Dante, Cnlderon, Shakespeare, Goethe, diesem Viergestirn geistiger Größen war sein