Degas als Impressionist)
von Dr. Werner Wcisbach-Berlin
egas (geb. 1834) nimmt innerhalb des modernen Impressionismus eine Sonderstellung ein. Slin Ausgangspunkt und die Bedingungen für seine Entwicklung waren andere als fürMonet oder Renoir. Er begann als Schüler der öools clss Keaux-^rts und hat sich gegen die strenge formale Schulung, die er dort erhielt, nicht aufgelehnt. Zu Ingres fühlt er sich besonders hingezogen. Er steht zunächst ganz im Banne der Tradition. Seine ersten Bilder behandeln antike Vorwürfe. Was streng in der Form und im Aufbau ist, hat am meisten Reiz für ihn. Während seines Aufenthaltes in Rom 1857 besitzt er schon eine erstaunliche Formbeherrschung. Man kennt aus dieser Zeit einige Figurenbilder nach dem Leben, die in ihrer schlichten Natürlichkeit, Klarheit der Anlage und Subtilität der Durchführung etwas Fesselndes haben. Er zeigt sich als ein genau beobachtender Formzergliederer, ohne dabei in Kleinigkeiten aufzugehen. Durch Analyse der Sichtbarkeiten sucht er sich eine gründliche Naturkenntnis zu verschaffen. Wie er durch das „realistische" Verfahren Ingres', das dieser bei seinen Porträtgemälden und -Zeichnungen anwendet, beeinflußt wurde, tritt hier und da zutage. Im ganzen ist man über das frühe Schaffen von Degas nicht gut unterrichtet.
Zwei Faktoren sind dann vornehmlich für seine weitere Entwicklung bedeutsam geworden: das Bekanntwerden mit Manets Kunst und das Studium der Japaner. Durch Manet wurde er auf den spezifisch modernen Darstellungskreis gewiesen: auf die Vorgänge der Straße, in Cafes, Theatern, Kabarets, Konzerten, auf Nennplätzen und Tanzböden. Er stellt sein Auge jetzt auch auf die Reize dieser Art von Aktualität ein. Sein Beobachtungsfeld wurde in das durch Manet erschlossene Gebiet verlegt. Und auch in der Art, wie er seine Beobachtungen registriert, finden sich um die Wende der sechziger und siebziger Jahre manche Anklänge an Manet.
Zu einer bildmäßigen Znsammenfassung seiner Beobachtungen gelangte er unter Benutzung von Erfahrungen, die er an der ostasiatischen Kunst gemacht hatte. Das Prinzip einer dekorativen Flächenfüllung im Sinne der Japaner vertritt er vielleicht am konsequentesten. Die dekorativen Elemente, die er sich aneignet,
*) Dieser Aufsatz ist ein Kapitel aus dem in diesen Tagen bei G, Grote-Berlin erscheinenden zweiten Bande des Werkes „Impressionismus. Ein Problem der Malerei in der Antike und Neuzeit." Der erste Band ist bereits in Heft 22 dieses Jahrgangs angezeigt worden; eine ausführliche Besprechung des ganzen Werkes wird in einiger Zeit erfolgen.
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