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Polen und Rom nach 1870
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Polen und Rom nach MO

von Lhr, D, Pflaum-Nom

ie Wandlung der politischen Verhältnisse Europas war 1870/71 so einschneidend, daß der Papst sürs erste der Hoffnung, feine weltliche Macht wiederherstellen zu können, wenig Raum gab. Zugleich erlahmte naturgemäß sein unmittelbares Interesse an den nationalpolitischen Aspirationen der Polen. Jedoch dem Papste blieb nicht lange Zeit zur Resignation. Die Hebung seiner Autorität und Machtfülle in geistlichen Dingen und mittelbar in allen persönlichen und bürgerlichen Verhältnissen der Katholiken, welche die Festsetzung des Unfehlbarkeitsdogmas mit sich brachte, wurde der Ausgangspunkt heftiger und nachhaltiger Angriffe gegen die Einrichtung des Papsttums. Dieser Angriffe mußte Pius der Neunte sich kämpfend erwehren, wo es anging auch mit den Mitteln der Offensive. Solange die Angreifenden geistliche oder weltliche Katholiken waren, die mit Vernunftgründen agitierten, war die Sache für Rom nicht übermäßig tragisch; denn letzten Endes stand nicht mehr auf dem Spiel, als daß derHäretiker" und Exkommunizierten etliche mehr wurden, und daß zu den vielen schon bestehenden Sekten sich noch eine neue gesellte. Tragisch war für Rom nur, daß die Staaten sich ihm entgegenstellien und sich nicht begnügten, jede Überlegenheit der geistlichen über die weltliche Macht zu bestreiten und die Kirche dein Staate wenigstens nebenzuordnen, sondern vielmehr die Unterordnung der Kirche unter den Staat und damit die Preisgabe der auto­nomen Hoheit und Internationalist Roms heischten. Frankreich freilich hielt sich vorerst zurück, wie es auch als Republik dabei verblieb, das päpstliche Recht auf Rom nicht als verfallen anzusehen und des öfteren eine Lanze für seine Verwirklichung zu brechen. Aber der Besteger Frankreichs und Unterstützer Italiens, Preußen, legte sich nicht die geringste Zurückhaltung auf. Dem Grenzboten IV 1911 4?