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Reichsbank und Geldumlauf. II.
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Reichsbank und Geldumlauf

von Dr. Konrad Meißner, Rechtsanwalt am Kaminergcricht-Berlin

II.*)

Wie die Verwaltung der Reichsbank selbst konstatiert hat, ist es die Bank­welt, welche das Hauptkontingent der Quartalsansprüche stellt. Diese Tatsache führt uns zur Erkenntnis des wahren Grundes sür die gesteigerten Kapitals­bedürfnisse. Auf dem Gebiete des Bankwesens haben sich im Laufe des letzten Jahrzehnts wichtige Verschiebungen vollzogen. Die Struktur unserer Bank­organisation ist von Grund aus verändert, zentralisiert worden. Um die Mitte der neunziger Jahre hat, befördert durch den Einfluß des Börsengesetzes, die Konzentrationsbewegung im Bankgewerbe begonnen, die seitdem ununterbrochen fortgesetzt worden ist und auch heute noch nicht 'ihren Abschluß gefunden hat. Der Stand der mittleren und kleinen Bankiers ist nahezu ausgemerzt, die Provinzbanken sind der Reihe nach verschwunden und in Filialen umgewandelt worden, oder sie haben doch in der einen oder anderen Form so engen Anschluß an eine Großbank genommen, daß ihre Selbständigkeit nur eine äußerliche geblieben ist. So haben die Großbanken das ganze Land mit einem dichten Netz eigener Filialen oder von ihnen abhängigerWanken ubersponnen. An Stelle der früher im Bankgewerbe herrschenden Dezentralisation' ist eine straffe Zentralisation getreten. Abgesehen von allen anderen Wirkungen hat diese Organisation einen tiefgreifenden Einfluß auf das Depositenwesen ausgeübt. In der Heranziehung und Nutzbarmachung fremder Gelder erblickten unsere Großbanken eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Sie konnten dieser nur in vollem Umfange gerecht werden, wenn sie den bezeichneten Weg beschritten und sich bemühten, die müßigen Gelder im Lande durch einen geschickt organisierten Saugapparat, wie ihn ein

") Vgl. Heft 43 der Grenzboten. Grenzboten IV 1911

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