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Polen und Rom vor 1870
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Ivilhelm Steinhaufen, ein religiöser Maler

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immer gewaltiger zur Geltung brachte, wie das Königreich Italien die Unter­stützung Preußens erhielt und demzufolge auch von den katholischen Dynastien Bayern und Sachsen anerkannt wurde, wie endlich die Lösung derrömischen Frage" von italienischer Seite sowohl gegenüber Frankreich wie gegenüber Österreich im Nahmen einer Bündnisfrage konkret und mit teilweisem Erfolg auf die diplomatische Tagesordnung gesetzt wurde. So überließ er denn die Polen zunächst sich selbst, wie er für sein eigen Teil nachgerade passiv das Schicksal erwartete, das am 20. September 1870 durch die Bresche der Porta Pia in Rom einzog.

Wilhelm Steinhausen, ein religiöser Maler

von Dr. Roland Schacht-Berlin

er die Theorien der heute maßgebenden Kritiker kennt, der weiß, daß augenblicklich religiöseMalerei keineswegs in hohemAnsehen steht. Es liegt dies weniger an dem Umstand, daß unsere Zeit weniger religiös wäre, weniger auch an dem relativ geringen Wert der auf diesem Gebiete geschaffenen Durchschnittsleistungen, vielmehr ist die letztere Tatsache schon wieder eine Folge der Hauptursache: der stilistischen Entwicklung, welche die deutsche Malerei seit etwa den letzten fünfzig Jahren genommen hat. Noch während der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts waren die religiösen Werke der bedeutendsten Nazarener, wie sehr man auch heute sie absprechend zu beurteilen geneigt ist, für die allermeisten eine Offen­barung. In den folgenden Epochen jedoch der Düsseldorfer Romantik, Pilotys Kostümmalerei, Makarts rauschenden Festen und endlich des Realismus und Impressionismus war für die Probleme der religiösen Malerei kein Raum.

Ein notwendiges Zeichen, wenn nicht überhaupt aller großen, doch mindestens aller klassisch gewordenen Kunst ist Einheit des künstlerischen Problems. Wo daher, wie in den erwähnten Epochen, Theatralik herrscht oder sprühende, doch in der Mache frivole Dekoration, wo der Künstler lediglich mit Problemen ringt, die von der äußeren Erscheinungswelt gestellt werden, oder im Genießen der Phänomene dieser Erscheinungswelt aufgeht, muß das, was wir religiöse Empfindung nennen, verdrängt werden. Und eben darum konnten auch die Schüler und Enkelschüler der Nazarener, wollten sie in ihrer eigentlichen Do­mäne, der religiösen Malerei, bleiben, im allgemeinen nichts von den technischen und stilistischen Errungenschaften der fortschreitenden Generationen brauchen; ja durch die seit den deutschen Klassizisten bestehende Entfremdung zwischen Kunst und Leben, die es noch heute manchem Älteren schwer macht, ein realistisch Grenzboten IV 1911 27