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Das Glück des Hauses Rottland : Roman. VII.
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Das Glück des Hauses Rottland

Roman Von Julius R. Haarhaus VII.

Der Freiherr v. Friemersheim halte geglaubt, mit der Erziehung seiner jungen Braut so früh wie möglich beginnen zu müssen, und hatte deshalb den Holzheimer Pastor gebeten, das Mädchen täglich eine Stunde im Lesen und Schreiben zu unterrichten. Merge war für diese Künste anfangs Feuer und Flamme gewesen, ihre Begeisterung hatte jedoch bald wieder nachgelassen, als ihr zum Bewußtsein gekommen war, daß man sich solche Fertigkeiten nicht von heute auf morgen aneignet, und daß die bösen Buchstaben ihrerseits nicht das geringste dazu taten, mit ihr in ein engeres Verhältnis zu treten.

Sie verlor also schon bei der zweiten Stunde die Lust, und als ihr geistlicher Präzeptor am dritten Tage danach bei ihr erschien, um zu fragen, weshalb sie sich nicht mehr zum Unterricht bei ihm eingestellt habe, erklärte sie kurz und bündig, sie habe von den Wissenschaften schon genug, und wenn ihr Freiherr sie nicht nehmen wolle, wie sie nun einmal sei, so möge er's getrost bleiben lassen, denn sie mit ihren zwanzig Jahren, ihren vier Kühen und ihrem glatten Gesicht könne ohne besondere Mühe und ohne daß sie sich erst mit Lesen und Schreiben ab­zuplagen brauche, auch einen Grafen bekommen.

Der Pastor hielt es für seine Pflicht. Herrn Salentin von diesem Rückfall Mergens in die Barbarei Mitteilung zu machen, und ließ dabei durchblicken, daß seiner Meinung nach ein junger Kavalier, der vor ein paar Tagen im Jagdkostüm durch das Dorf geritten sei und sich nach der Behausung des Mädchens erkundigt habe, diesem den Kopf verdreht haben müsse. Die beiden alten Damen, in deren Gegenwart der geistliche Herr seinen Bericht erstattet hatte, bekamen wieder Ober­wasser, jammerten über dieses Zeichen von Undank und Widersetzlichkeit und zeigten Neigung, ihre hochadligcn Verehelichungsprojekte wieder zum Vorschein zu bringen.

Der Freiherr faßte die ganze Angelegenheit weniger ernst auf, beschloß aber doch, seine Braut ins Gebet zu nehmen, und besuchte sie gleich am nächsten Tage in Gesellschaft des Pastors. Sie spielte die Unschuldige, lachte über die Behauptung, daß eine Freifrau v. Friemersheim, die weder lesen noch schreiben könne, undenkbar sei, blieb aber auf das entschiedenste bei ihrer Weigerung, sich jetzt schon mit diesen Künsten vertraut zu machen, und meinte, dazu habe sie noch Zeit genug, Grenzboten IV 1911 23