Eine Erinnerung, eine Mahnung und eine Hoffnung
(<Lin Epilog zum jüngsten Mcirokkostreit) von Dr, Rarl Mchrmnnn-Loblenz
Wir bringen diesen Aufsatz um so lieber, als er von einem bewährten Vorkämpfer öer alldeutschen Idee stammt und somit eine doppelt wirksame Kritik an den letzten Beschlüssen des alldeutschen Verbandes darstellt. Die Schriftleitung.
ir haben seit bald einem Jahre die vierzigjährige Jubelfeier der großen Siegesfreude von .1.870 hinter uns, und doch sind wir Heuer mehr fast als vor einem Jahre an die ungeheuern Empfindungen jener unvergleichlichen Zeit erinnert worden — aus der Absicht der IL^^M^ ^ politischen Taktik, den kuror tLutomeu8 zu entfesseln, um unserer Regierung den Nacken zu steifen bei den Verhandlungen um Marokko und um den Widerstand der französischen Unterhändler zu brechen.
Man sagt, die Geschichte sei eine Lehrerin, und man setzt zuweilen hinzn: aber man hört sie nicht. In Deutschland wenigstens ist heute in weiten Kreisen die allgemeine Empfindung, daß Frankreich der Lehren von 1870 nicht mehr eingedenk sei, daß es vergessen hat, daß geeinter deutscher Kraft und einheitlichem deutscheu Wollen keine Nation Europas gewachsen sei. Wir aber denken daran, daß es ein vergebliches Mühen der Diplomatie und der Kriegskunst des dritten Napoleon war, den Sinn der Weltgeschichte nicht verstehen zu wollen, die in Mitteleuropa neben dem Habsburgischen noch ein zweites Kaisertum deutscher Nation brauchte, um die europäische Staatenfamilie erst vollkommen in sich zu gliedern und zu entfalten. Es war die Übereinstimmung des nationalen Einheitsdranges mit der geschichtlichen Notwendigkeit, die bei Sedan den Sieg davontrug, und es war die Unfähigkeit, die Prestigesucht des natioualen
Grenzboten IV 1911 20