Aus dem Aönigreich Hellas
von Sikaritos I.
„Nur Einseitigkeit und Oberflächlichkeit schaut überall Ideale im Altertum. Betrachtet das Innere des hellenischen Lebens im Staate: Ihr werdet selbst in Athen ein tiefes sittliches Verderben bis ins innerste Mark des Volkes eingedrungen finden." lBöckhi Die Staats- hnushaltuug der Athener.)
„Die meisten uns bekannten athenischen Staatsmänner und Feldherrn begingen irgend eine Art Diebstähl am Staatsbermögen: sie waren mit wenigen Ausuahmen bestechlich. Verrat am Baterlande war ein tiefeingewurzeltes, beinahe ein tägliches Nationnlübel zu Athen. Bei der geringsten Verletzung der Eitelkeit lief man ins Feindeslager." (Julius SchUarcz: Die Demokratie von Athen).
! s ist sehr bezeichnend, daß ein Hellene (Aristoteles) das Wort geprägt hat, der Mensch sei von Natur ein politisches Wesen (?0»n politikon); mit Politik muß man nämlich jede Betrachtung über Hellas beginnen. „Die Athener sind neuerungs- ^ süchtig und rasch im Anschlage und in der Ausführung der Sache. Wenn daher jemand behauptet, sie seien von Natur so geschaffen, weder selbst Ruhe zu haben noch anderen Menschen Ruhe zu lassen, so würde er sagen, was wahr ist". Dieses scharfe Urteil des Thukydides über die Athener paßt auch heute noch vollkommen auf das politisch so unruhige Hellenenvolk im allgemeinen. Hellas steht wieder einmal vor einer politischen Krise, welche unter Umständen zu einer sehr notwendigen Regenerierung des Staates führen kann.
Bei der Betrachtung der augenblicklichen Lage muß auf den letzten Türkenkrieg 1897 zurückgegriffen werden. Wie des öfteren hatte sich König Georgios bei der Einleitung desselben auf politisch einflußreiche Persönlichkeiten Grenzbvten IV 1911 7