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Reichsspiegel :
(Vom 19. bis 25. September)
Seite
628
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Reichsspiegel

(Vom 19. bis 26. September)

Innere Politik

Beginn des Wahlkampfs — Die deutsche Sozialdemokratie — Ihre Beziehungen zur russisch-jüdischen Revolution — Entschluß der Nationalliberalen in Düsseldorf — Schlußsitzungen des „sterbenden" Reichstags — Aufgaben der Herbsttagung — Der Wechsel in Posen — Herr v. Waldow — Exzellenz Schwartzkopff

Mit Ausgabe der Parole auf dem sozialdemokratischen Parteitage zu Jena hat wie erwartet der Wahlkampf begonnen, aus dem der kommende Reichstag erstehen soll. Die Presseerörterungen über Bebels Sirenensänge haben gezeigt, daß man auch im linksliberalen Lager deren Wert richtig erkannt hat. Das amt­liche Organ der Fortschrittlichen Volkspartei hat es unverhohlen ausgesprochen, daß es der Sozialdemokratie noch immer durchaus mißtraue. Und das ist gut. Die Sozialdemokratie hat sich noch nicht soweit gemausert, daß man sie eine Reichs­partei oder nationale Volkspartei nennen könnte, die die Wahrnehmung der reichs- deutschen Interessen auch als ihre Aufgabe auf internationalem Gebiet betrachtet. Noch haftet ihrem politischen Streben zu viel märzliches an, das den Interessen des Reichs direkt zuwiderläuft. Wenn wir auch nicht zu denen gehören, die da annehmen, die deutsche Sozialdemokratie würde bei Ausbruch eines Krieges das Land revolutionieren können oder auch nur wollen, so lehrt der Augenschein doch, daß sie in Friedenszeiten noch nicht das richtige Augenmaß für die wahren Interessen des Reichs gefunden hat. Hier und da dämmert es zwar in ihren Reihen, aber auf solche sporadisch auftretenden Erscheinungen darf sich eine Re­gierung in ihrer Politik nicht stützen. Vertrauen kann die Partei sich erst durch längere positive Mitarbeit im Parlament erwerben. Je mehr und je gründlicher sie daran Anteil nimmt, um so eher wird sie auch auf den Weg gelangen, von dem aus sich allein Verständnis für die historischen Grundlagen des Reichs und damit Preußens gewinnen läßt. Das kann aber noch Jahre währen, weil sich die Tradition eines halben Jahrhunderts nicht mit der Rede eines Führers aus dem Herzen vieler Tausender auslöschen läßt. Das muß von den bürgerlichen Parteien beachtet werden. Eine Partei, die dem Reich nicht die Mittel gewährt, um die militärische und maritime Rüstung instand halten zu können, verkennt die historische Mission Deutschlands und darf infolgedessen nicht zur herrschenden Partei im Reichstage gemacht werden. Sollte aber die Sozialdemokratie einmal zur Erkenntnis der Notwendigkeit unserer Rüstungen kommen, dann wäre auch