Das Glück des Hauses Rottland
Roman von Julius R. Haarhaus
III.
Der Freiherr war nicht wenig erfreut, als er bei seinem Eintritt den Pater Ambrosius vorfand. Er begrüßte ihn mit einem derben Händedruck und meinte mit verstecktem Spott, die Schwestern würden den Besuch eines so lieben Freundes wohl geahnt und deshalb auf die beabsichtigte Ausfahrt verzichtet haben. Als er dann, hungrig wie ein Wolf und scheltend, daß der Tisch noch nicht gedeckt war, in der Stube auf- und niederwanderte, entdeckte er das Bündel, das der geistliche Herr mitgebracht hatte.
„Was ist denn das für ein Paket?" fragte er, indem er mit dem Fuße daran stieß. „Da ist wohl eine Muskete drin?"
Der Pater lächelte geheimnisvoll. „Eine Muskete gerade nicht," sagte er, „aber eine andere Waffe, wenn auch nur die einer unvernünftigen Kreatur."
Der Freiherr schaute ihn überrascht an.
„Etwas für die Naturalienkammer?"
„Sie haben es erraten."
„Packen Sie aus, Pater, packen Sie aus! Ich sterbe vor Lunositel"
Mit dieser Behauptung hatte Herr v. Friemersheim nicht so ganz unrecht. Die kleine Sammlung von Naturmerkwürdigkeiten, die er seine Naturalienkammer oder sein Kabinett nannte, und deren Rettung auS Kriegsgefahr ihn über die Zerstörung des Burghauses getröstet hatte, war sein Steckenpferd, dem er in glücklicheren Zeiten zum Ärger seiner Schwestern mit Freuden jedes Opfer zu bringen bereit gewesen war.
Pater Ambrosius schickte sich an, den Bindfaden aufzuknüpfen. Er tat es mit Ruhe und Bedachtsamkeit, um die Erwartung des Freundes aufs Höchste zu spannen. Endlich fiel die letzte Papierhülle, und außer zwei kleineren, wiederum sorgfältig eingepackten Gegenständen kam ein stattlicher Narwalzahn zum Vorschein.
Der Freiherr war vor Freude sprachlos.
„Ein verspätetes kleines Ostergeschenk," bemerkte der Pater, „und ich würde mich glücklich schätzen, wenn es Ihnen einiges Misir bereitete."
„Wo haben Sie diese Rarität aufgetrieben?" fragte Herr Salentin, indem er den Finger über die gewundenen Riefen des Zahnes gleiten ließ.