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Aus Anselm Feuerbachs Briefen an seine Mutter
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Aus Anilin Feuerbachs Briefen an seine Mutter

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Aus Anselm Feuerbachs Briefen an seine Mutter

Alle Leute fragen mich: .Sind Sie verwandt mit dein Archäologen Feuerbach?' ,Das ist mein Vater; der Philosoph mein Onkel, der Staatsmann mein Großvater.' Nun sagt man: .Wenn da nichts aus Ihnen wird, dann muß man an der Welt verzweifeln.'" So berichtete der junge Anselm Feuerbach voll Stolz aus Düsseldorf seinen Eltern. Als es ihm dann später durchaus nicht gelingen wollte, für sein künst­lerisches Sireben Anerkennung bei seinen Zeitgenossen zu finden, als aus ihm alsonichts wurde", da verzweifelte er oft an der Welt, und in vielen an die tren sorgende und verstehende Mutter gerichteten Briefen gab er seinen wechselnden Stimmungenin unumschränkter Offenheit" Ausdruck.In ihnen suchte der Mensch die Bitterkeit loszuwerden, die den Künstler in seiner Freiheit zu beschränken drohte, und eS hat den Anschein, als ob nach einem Schreiben, das der geduldigen Mutter die schwerere Hälfte des Packes auflud, Erleichterung und Ruhe sich ein­stellten, die sonst nicht zn gewinnen gewesen wären. Eine Psychologisch sehr begreifliche Erleichterung, doppelt begreiflich bei einem Menschen, wie es Anselm Feuerbach war." So urteilen G. I. Kern und Hermann Uhde-Bernays, die aus dem Besitz der Königlichen National-Galerie zu Berlin zum erstenmal vollständigAnselm Feuerbachs Briefe an seine Mutter" in zwei Bänden herausgeben. Treffend vergleichen sie (im Spiel mit dein Namen Feuerbach) diese Briefe, in denen uns der geniale Künstler als Mensch mit seinen Borzügen und seinen Schwächen, in lebensvoller Deutlichkeit gegenübertritt, mitunregelmäßig geformten Kratergebilden, die mit Sprüngen nnd Furchen durchzogen als die sichtbaren Zeichen einer ungebändigten, glühend wogenden Naturkraft vor uns stehen". Aus den: in einigen Togen im Verlag von Meher u. Jeffen zu Berlin erscheinenden Werk, das die unmittelbarsten und temperamentvollsten Herzensergießungcn eines großen Künstlers enthält, bringen wir hierunter einige Jugendbriefe zum Abdruck. *

^Düsseldorf, Sommer 1843.1, . . . Komponiert habe ich noch nichts, ich habe es schon oft versucht, aber es geht nicht, ich sehe so viel Gutes, so richtige Zeichnungen, daß es mir nicht möglich ist, etwas zu tun, einen Arm z. B. zu zeichnen, von dem ich nicht ganz genau weiß, daß alle Muskeln daran richtig. Früher hatte ich gut komponieren, ich machte Hände, Füße und dergleichen, phantasierte und fühlte mich glücklich und glaubte, alles, was ich gemacht habe, wäre gut, vortrefflich; jetzt fühle ich, daß ich nichts kann; so oft schweben mir Gedanken vor, wo die Formen so rein, die Muskeln so richtig sind, daß, käme es so zum Vorschein, so gäbe es an Formen- reinheit einem Michelangelo nichts nach, aber dann geht's ans Zeichnen, und da soll ich nun die Formen nachzeichnen, und geht's eben nicht; immer aber um­gaukelt mich das Phantasiebild. Schon mehreremale schwebten mir eigentümliche Landschaften vor, manchmal überkräftige Gestalten; wie ich ans Zeichnen komme, da scheitert alles. Früher war ich glücklicher, ich konnte meine Gedanken mir genügend versinnlichen, weil ich keinen Anstoß an der Form nahm; jetzt aber habe