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Reichsspiegel :
(Vom 21. bis 27 August)
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Reichsspiegel

(Vom 21, bis 27. August)

Au5wärtigs und innere Politik

Bismarck und Frankreich Der Große Generalstab Faschoda Die Marokkofrage eine wirtschaftliche Angelegenheit Haltlosigkeit der alldeutschen Argumente Die schwarzen Armeekorps keine Gefahr Innere Kolonisation Sir Fairfax Cartwright

Wenn je, so muß es jetzt dem deutschen Politiker zum Bewußtsein kommen, wie schwerwiegend und weittragend der Entschluß war, als die deutsche Diplomatie im Jahre 1898 die Franzosen der Macht Albions preisgeben mußte. Es bedürfte eines Wortes von deutscher Seite und Frankreich konnte ohne Krieg über England triumphieren. Frankreich konnte zudem von der Ehrlichkeit der deutschen Politik überzeugt werden, ohne daß Deutschland einen Soldaten mobil machte und auch nur einen Quadratfuh Landes preisgab. Die Rede, die am 2S. August Sir Fairfax Cartwright gehalten, hätte verbis mutanäis im Dezember 1898 der deutsche Botschafter zu Paris halten müssen. Dann ständen wir heute nicht vor der dreisten Herausforderung der Briten, und die marokkanische Frage wäre wahrscheinlich nicht zu dem unglücklichen Stadium gekommen, in dem sie sich heute befindet.

Bismarcks Politik Frankreich gegenüber war von dem Tage nach Sedan an getragen von Rücksichtnahmen und dem Bestreben, die Wunden vernarben zu lassen, die er selbst dem Feinde schlagen mußte. Bismarck hat sich selbst nicht gescheut, in Dingen nachzugeben, in denen er hätte fordern dürfen, um das Gefühl der Franzosen zu schonen. Doch während seiner Amtszeit bot sich keine Gelegenheit, bei der er hätte durch die Tat beweisen können, wie ehrlich es ihm um die Freundschaft Frankreichs zu tun war. Im Gegenteil, die herausfordernde Haltung der französischen Nationalisten und die schon im Jahre 1875 ernsthaft einsetzenden Bemühungen, ein Bündnis mit Rußland zustande zu bringen, zwangen ihn. auf der Hut zu sein, zwangen ihn, den Grenzschutz im Westen besonders im Auge zu halten und schließlich den Dreibund zu schaffen. Als der Reichsschmied dann in den Ruhestand trat, war Deutschland vorbereitet zum Zweifrontenkrieg und der Große Generalstab hatte nebeneinander zwei Schulen von Truppen- führern ausgebildet, deren eine für den Krieg gegen Rußland, deren andere für den Krieg gegen Frankreich eintrat. Bei der militärisch durchtränkten Struktur unseres Staatswesens, bei dem engen Zusammenarbeiten zwischen dem Großen Generalstab und den: Auswärtigen Amt mußte nach des Altmeisters Rücktritt mit