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Über Wilhelm Ostwalds Kulturphilosophie : die großen Männer
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Italienische Ausstellungsreise

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Es liegt inir fern, so weit zu gehen, daß ich mit Arthur Bonus*) das natur­wissenschaftliche Denken als das niedrig Wehende ansehe, weil die Erforschung des Lebens einer Grille einfacher ist als die des menschlichen Lebens. Von einer verschiedenen Wertung der Denkmethoden kann nicht die Rede sein. Aber unsere Betrachtung dürfte doch gezeigt haben, daß die Ausdehnung der an der physischen Welt gewonnenen Einsichten auf das außerphysische Wesen des Menschen nicht ohne Gewaltsamkeiten abgeht, und vor allem nicht, ohne daß Tatsachen und Gebiete unberücksichtigt bleiben, die den meisten Menschen und nicht den schlechtesten wesentlich erscheinen. Für sie hat Ostwald der wahren Kultur, die nimmermehr eine reine Verstandeskultur und niemals kosmopolitisch ist, nichts genommen. Sie dürfen, selbst wenn Ostwalds suggestive Wirkung sich auf weite Kreise erstrecken sollte, ruhig die Reaktion von der Zeit erwarten, nach Ostwalds eigenem Wort: Was Lichtenberg von der Medizin zu sagen pflegte: Neue Mittel heilen gut, das gilt auch in der Wissenschaft von neuen Theorien. Sie treten stets mit dem Anspruch des Allheilmittels auf und werden auch als solche angenommen, bis erst später die Ernüchterung folgt."

Italienische Ausstellungsreise

von Felix Braun Turin

Vorabend des Eröffnungstages war die Stadt von unablässig 1 anflutenden Menschenscharen, stürmenden, läutenden, einherrollenden Wagen, Pferdegetrabe und dem Geflatter der Flaggen und Fahnen bis ins Abenteuerhafte erregt. Unaufhörlich ergossen sich rauschende ^ Menschenzüge vom Bahnhof, von dessen lichtgrauer Fassade zier­licher Fahnenschmuck aufs reizvollste sich abhob, zu den Hotels und von hier, entweder zurückgewiesen oder vom Übermaß der Preise abgeschreckt, in die Tiefe der Stadt, die still und leer mit regelmäßigen Gassen dalag. Die Hauptstraßen, breit, mit geraden Häuserzeilen, in den Farben von lichten, Grün, Gelb oder Grau, mit den hellen Frühlingsbäumen und dem freudigen Zeichen der schönen Trikolore, ließen, in der Beleuchtung des Abends, eher den Anschein einer fran­zösischen als das Bild einer italienischen Stadt empfinden. Die Ausstellung selbst schien dem, der abends und nachts im Strom der Menge diese Straßen durch­schritt, versunken, längst vergessen, nie gewesen zu sein.

In der Frühe dann war sie plötzlich da. Wer zum Po kam, der sein sanft­grünes Gewässer in breitem Bett ohne Laut dahintrieb, konnte fern am jenseitigen Ufer eine Stadt aus Schnee gewahren, die im leisen Glanz des Morgenhimmels wie eine Spiegelung, wie versperrt hinter zauberhaften Schranken, unbeweglich

*) Blätter für Volkskultur vom IS. Januar 1911.