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Reichsspiegel :
(Vom 6. bis 13. August)
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Reichsspiegel

Reichsspiegel

(Vom 6, bis 13, August)

Innere Politik

Die Katholikenversammlung in Maiuz Der Festzug Zersetzung aller sittlicher Werte Zersetzung der Kaisermncht Die Konservativen und das Zentrum Ein neuer Römerzug

Der Festzug der Katholikenversammlung in Mainz war die glänzendste äußerliche Machtkundgebung, die Deutschland seit Menschengedenken erlebt hat. Wohlgeordnet und sichtlich von einem stolzen Machtgefühl getragen, bewegten sich die Menschenwogen durch die ehrwürdig alte Stadt am Rhein, die von ihrer Geburt an die Kämpfe zwischen den Germanen und Römern sah und die heute wieder die Zeugin des unerloschenen Kampfes und der ungebrochenen römischen Macht geworden ist. Es ist, als ob Rom, nachdem es die Heereszüge der deutschen Kaiser ertragen muhte, dem neuen Deutschen Reiche heute in stauender Rückflut die Massen zurücksenden wollte. In dem Festzug der Katholiken­versammlungen lebt alljährlich die ganze Tragik der deutschen Geschichte wieder aus, und niemals hat sich der fortwuchernde Zwiespalt zwischen der politischen Macht der Kirche und den politischen Rechten des Staates so fühlbar gemacht als auf dem Mainzer Katholikentage.

Äußerlich dem Andenken an einen kraftvollen Bischof und der Verherrlichung seiner sozialpolitischen Wirksamkeit gewidmet, wurde er zu einer Huldigung für die Machtbestrebungen und die Politik der Kirchenregierung umgemünzt. Denn anders kann man die Reden der Bischöfe Kirstein und Faulhaber nicht auffassen, die in den Bischöfen die Führer des Volkes auch in weltlichen Dingen sehen und die Ehelosigkeit des Priestertums als denRitterschlag der Todesbereitschaft" feierten. Dieser Gedankeninhalt springt nahezu ein Jahrtausend zurück und er knüpft an die Wende der deutschen Geschichte an, als die Oberhoheit der Kaiser über die Päpste erlosch und die Oberhoheit der Päpste über die weltlichen Staaten begann. Leider mußte es ein Deutscher sein, der ehemalige Mönch Hildebrandt und spätere Papst Gregor VII., der das Papsttum mit seiner die Jahrhunderte überdauernden Machtfülle ausstattete. Er riß das Priestertum von allen Banden der bürgerlichen Gemeinschaft los, er schuf jene geweihte Todes- bereitschaft, und er gab mit seinem Kampf gegen die Belehnungsformel der geistlichen Fürsten als Neichsvasallen das Zeichen zum Angriff gegen die staatlichen Rechte überhaupt.

Seitdem ist in der Verwaltung der römischen Kirche der religiöse Inhalt immer weiter zurückgetreten. Die bischöfliche Gewalt wurde durch die Beschränkung der Papstwahlen auf die kleine Schar der Kardinäle beseitigt. So erloschen die Nationalkirchen und über ihnen stieg die Papstherrschaft empor; die Entrechtung und Entwertung der Bischofsgewalt wurde fortgesetzt, bis sie unter dem neunten Pius auch in der Ausschaltung aus der Lehre durch die Lehramtsdiktatur des unfehlbaren Papstes ihren Abschluß fand. Die Bischöfe von heute tragen zwar noch die Zeichen ihrer Macht, aber sie sind nur willenlose Werkzeuge. Nach