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Reichsspiegel :
(Vom 17. bis 23. Juli)
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Reichsspiegel

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Reichsspiegel

(Vom 17. bis 23. Juli)

Aolonialp olitik

Carl Peters über Deutsch-Südwestafrika Seine Gewährsmänner Die Verwaltungs­organe unserer Kolonien Farbigenfreundliche und besiedlungsfeindliche Politik in Ostafrika und Samoa Kolonialer Eisenbahnban

Wenn das bekannte Wort von den Frauen, nämlich daß diejenige Frau die beste sei, von der man am wenigsten spricht, restlos auf die Kolonien angewendet würde, so wäre es mit Südwestafrika schlecht bestellt. Aber glücklicherweise geht es mit der Kolonie im ganzen vorwärts, wenn auch Fortschrittshemmungen mannigfacher Art in letzter Zeit an der Tagesordnung waren. Um so mehr muh man ein Urteil bedauern, wie es Dr. Carl Peters jüngst imTag" über die Kolonie gefällt hat. Carl Peters besitzt einen Namen, der in der Welt ernst genommen wird; er hat sogar eine allerdings nicht mehr sehr große Gemeinde, die jede Kritik an ihm als ein crimsn laosse msjeZtatis auffaßt. Bei allem schuldigen Respekt vor dem Gründer unserer ostafrikanischen Kolonie müssen wir aber sagen, daß er in dem erwähnten Aufsatz sich nicht in allen Punkten mit dem erforderlichen Verantwortungsgefühl die Wirkungen seiner pessimistischen Dar­legungen klar gemacht hat. Das große Publikum kann daraus nichts mehr und nichts weniger entnehmen, als daß Südwest für uns ein teures Vergnügen ist, eine Kolonie, die wir der nationalen Ehre wegen in Gottes Namen durchhalten müssen, weil wir sie nun einmal haben, der aber eine wirtschaftliche Zukunft nur dann bevorsteht, wenn sie sich der britisch-südafrikanischen Union anschließt. Selbst­verständlich nehmen wir an, daß Peters das nicht hat sagen wollen, aber der im einzelnen nicht näher Eingeweihte wird das leider herauslesen.

Peters ist an Südwest nur vorbeigefahren, er konnte in Lüderitzbucht nicht an Land gehen und mußte sich daher, wie er selbst sagt,darauf beschränken, Umschau zu halten (mit dem Fernglase) und weitere Auskünfte über Land und Leute von Besuchern zu erwarten". Natürlich gibt es in Lüderitzbucht eine Menge Mißvergnügter, die dort nicht mühelos die erhofften Reichtümer einzuheimsen ver- mochten und die jetzt viel Zeit übrig haben, um jeden Dampfer zu besuchen und dort alle paar Wochen einmal dem seltenen Genuß eisgekühlten Faßbiers sich hinzugeben. Dabei wird allemal gewaltig politisiert und an demverdammten Affenlande" kein guter Faden gelassen. Es sind manchmal auch ein paar Spaß­vögel darunter, die dem naiven Reisenden einige Bären aufbinden. Solche Bären hat sich auch Peters aufbinden lassen, obwohl man von ihm doch ein über das Normale hinausgehendes Maß von Urteilsfähigkeit erwarten könnte. Spaßhaft ist z. B., was er sich vonElektrizitätswerken, welche die Kraft zur Ausbeutung der Diamantenfelder liefern", hat erzählen lassen. Von den Wasserverhältnissen in der Kolonie sagt er, daß sie Deutsch-Südwest aus den Ackerbaugebieten unseres Planeten ausstreichen und auch Viehzucht im großen nur auf besonders bevor­zugten Terrains möglich machen, und ferner, daß zehntausend Ansiedler ein ärm­liches Dasein führen. Ersteres ist nur bedingt richtig, denn es gibt genug Land, auf dem Tabak, Gemüse, Obst, Wein, Kartoffeln, ja sogar verschiedene Getreide- Grenzboten III 1911 21