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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und

Schöne Litera tur

Karl Busse hat die Erzählungen überDie Schüler von Polajcwo" (Stuttgart, I, G, Cottasche Buchhandlung Nachf. Preis 3 M.) völlig Hingearbeitet und durch neue Stücke vermehrt. Ein Vergleich der beiden Auflagen zeigt, in welch erfreulicher Weise sich der Dichter entwickelt hat. Das Buch ist jetzt nach der Um­arbeitung ein künstlerisches und Psychologisches Meisterwerk geworden. Ans dem Leben heraus sind die Gestalten der Schüler geschaffen und ihre Schicksale greifen uus ans Herz, Jede Figur ist mitliebcvollerSorgfalt und mit tiefem Verstehen für die Freuden und Leiden dieser geheimnisvollen Werdezeit herausgearbeitet. Zwölf Novellen enthält der Band, und sie alle spielen am Gymnasium zu Polajcwo; aber trotz des gleichen Milieus bewahrt jede ihre Eigenart, und mit Spannung und ohne einen Augenblick der Ermüdung liest man das Buch von Anfang bis zu Ende, Mag Busse erzählen, wie ein schmächtigeSBürschchen, dessen Mutter tot und dessen Vater dem Schnaps verfallen ist, zum Dieb wird, oder die erste Liebe eines Primaners schildern immer weiß er uns zupacken und zur Teilnahme zu zwingen. Zu dramatische» Wucht steigert sich die Hand­lung in der NovelleAbrechnung". Hier ist mit den einfachsten Mitteln eine Szene zwischen Schüler undLehrer gezeichnet, die man atemlos miterlebt. Erschütternd wirkt es, wie dieser Junge aufs äußerste empört in der letzten Stnnde seiner Schulzeit deni Ordinarius die unwürdige, rohe Behandlung zahlenmäßig vor­rechnet.

DaS alte Haus. Ein humoristischer Roman von Ernst Claus-n. Leipzig, Fr. Wilh. Grunow. Preis 4 M.

Es ist ein gemütliches altes Haus, das da in irgendeiner kleinen Residenzstadt in beschau-

Unmaßgebliches

licher Ruhe am Marlt steht. Ein übermütiges Künstlervölkchen, von deni Prächtigen OnkelKarl betreut, haust hier und weiß sich in lachender Lebensfreude mit dem' ernsten Dasein abzu­finden. DerMaler Jung, ein Pflegesohn Onkel Karls, hat sich in das schöne, viel umworbene Fräulein v. Syderow verliebt und sie geheiratet, ohne sich viel um die adelstolze Sippe zu küm­mern, die verächtlich auf den armen Künstler herabsieht. Das junge Paar wird aber von der guten Gesellschaft in Acht und Bann getan. Der Maler ist plötzlich ein elender Stümper, seine Bilder, die er auf die Ausstellung der kleinen Residenz schickt, werden von der Jury zurückgewiesen; die wunderlichen alten Tanten der jungen Frau, die sie erzogen und bei Hofe eingeführt habe», ziehen sich ganz von ihr zurück. Da mau nun auf dieser Welt noch immer nicht von Liebe und Humor leben kann, wird die Situation allmählich doch recht kritisch, wenn auch der gute alte Onkel nach Kräften hilft und dem jungen Paar Obdach und Kost ge­währt. Nach einer Begegnung mit deni Kunst- kritiker, der dieZurückweisung derBilder Fungs von der Ausstellung verursacht hat, stürmt Frau Lotte geb. v. Syderow derartig zornmütig ins Atelier, daß ihr Mann das sonst so lachende, sorglose Kindergesicht als Lady Macbeth malen kann. Es muß etwas geschehenl Die Wände des Ateliers hängen voll von Bildern, aber kein Mensch fragt mehr danach, und trotz allen Humors beginnt ganz leise im Hintergruud das graue Gespenst der Sorge aufzutauchen. Und es geschieht etwas, freilichgauz ohneZutuu der Beteiligten, Der Maler muß verreisen, um das Waisenhaus in Weißeubüttel aus­zumalen", und da ihm der Abschied von seiner jungen schönen Frau schwer wird, eilt er erst im letzten Augenblick zum Bahnhof, wobei er in seinem rasenden Lauf von seineu Wider­sachern gesehen wird. Nun wird mit köstlichem