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Reichsspiegel :
(Vom 10. bis 16. Juli)
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Reichsspiegel

Reichsspiegel

(vom 10, bis 16. Juli)

Auswärtige P olitik

Marokko Konsequentes Vorgehen Frankreichs Deutschland und Frankreich Das Interesse Deutschlands

Konsequent, vorbedacht, energisch streben die Franzosen seit einer langen Reihe voll Jahren in Marokko ihrem Ziele zu. Seit mehr als einem Jahrzehnt begannen sie von der noch nicht festgelegten Südwestgrenze aus ihre Fühlhörner immer weiter hinein in das begehrte Land zu strecken. Waren die zum Schutze der Grenze angelegten Forts durch Straßen und Bahnen verbunden, wurde die Grenze bis an die Forts vorgelegt, dann wurden neue Fühlhörner ausgestreckt. Durch ^Besetzung der Schauja, als Pfand für Geldzahlungen, wurde von einer anderen Seite her in den letzten Jahren in das selbständige Sultanat eingedrungen. Wie bei dem SpielWolf und Schafe" wird durch systematisches Vorrücken die Bewegungsfreiheit mehr und mehr eingeengt, bis der Wolf mattgesetzt ist. Das von Frankreich eingehaltene Tempo war ein langsames, desto sicherer aber zum Ziele führendes. Und dieses Ziel wurde um so erstrebenswerter, je mehr zu erkennen war, daß es nicht erst, wie in Algier, nach dreißigjährigein Kampfe zu erreichen, daß vielmehr in absehbarer Zeit die militärisch gut veranlagten Marokkaner als abhängige Freunde zur willkommenen Mehrung der französischen Wehrkraft verwendbar werden. Die guten Nerven hielten aber nicht durch. Dem Drängen kolonialer Schwärmer nachgebend und um die Zeit des Polizeimandats voll auszunutzen, wurde das Tempo ein eiligeres, überhastetes. Der Zug nach Fes, die Besetzung von Stützpunkten stimmen nicht zum vorbedachten, zielbewußten Handeln, stimmen nicht überein mit Mandat und Algecirasakte. Eine hinter den Kulissen wirkende, zu ungeduldig treibende Kraft ist die marokkanische Abteilung des französischen Militärnachrichtendienstes. Von ihr gehen die'vorbereitenden Maßnahmen aus, Hilferufe von Europäern, Unterstützungsgesuche des Sultans, Raubzüge von Araberstämmen, kurz alles, was dazu gehört, um einem militärischen Eroberungszug deu Mantel der Be­rechtigung umzuhängen. Einem so vorsichtigen und besonnenen Führer wie dem General Moinier hat es Frankreich zu danken, daß der Zug möglichst glatt verlief. Unter seinem Vorgänger, einem Draufgänger, wäre die Situation wohl verwickelter geworden. Die geheimen Fäden diesesLureau ai-abs" werden überallhin gesponnen, sie durchdringen auch das Wirtschaftsleben, beein­flussen Kaids und Kadis, schalten jeden Wettbewerb deutscher Unternehmer aus.

Die Algecirasakte ist von Frankreich zerrissen, Spanien folgte in selbst­verständlicher Konsequenz. Rechtzeitige deutsche Warnung war erfolglos. Durch die Entsendung eines Kriegsschiffs nach dem Hafen von Agadir ist Frankreich vor Augen geführt worden, daß Deutschland sich nicht zur Seite schieben läßt, daß, wenn auch die Zeit papierener, nur einseitig von Deutschland zu erfüllender