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Staatlicher Imperialismus und Individualismus
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Staatlicher Imperialismus und Individualismus

alsbald wieder in die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit hineingesteckt werden, dafür sprechen deutlich einige Zahlen der Statistik,

In unsern Sparkassen ist die ansehnliche Summe von 14 Milliarden zusammengeflossen; eine noch größere Summe aber, nach dem Nominalkapital über 15 Milliarden, steckt in den deutschen Aktiengesellschaften, womit wir jedes europäische Land außer Großbritannien weit übertreffen. Die Sparkassen­guthaben vermehren sich im Jahre um rund eine halbe Milliarde; um mehr als eine halbe Milliarde aber vermehren sich die in den Aktiengesellschaften arbeitenden Kapitalien, teils durch den Überschuß der Kapitalerhöhungen bei alten Aktiengesellschaften über Kapitalverminderungen, teils durch den Überschuß des Kapitals neugegründeter Aktiengesellschaften über das der gleichzeitig auf­gelösten. An inländischen Wertpapieren aller Art werden im Jahre etwa Z^/z Milliarden zum Börsenhandel neu zugelassen. Auch was in diesen Gesamt­summen an öffentlichen Anleihen aller Art steckt, stellt doch im wesentlichen Gelder dar, die in irgendeiner Weise zur Schaffung neuer Arbeitsgelegenheit verwandt werden. Die jährlichen Neuinvestierungen in privaten Unternehmungen jeglicher Art in Landwirtschaft und Industrie, Handel und Gewerbe entziehen sich voll­ständig jeder statistischen Erfassung; aus dem Vergleich mit den gesellschaftlichen Unternehmungen aber muß man schließen, daß sie tatsächlich nach Milliarden zählen, wie es der beständigen Expansion unserer Wirtschaft, der beständigen Zunahme unserer Gesamtproduktion entspricht.

Wenn wir also in dieser beständigen Ausbreitung unserer eigenen Wirtschaft nur wenig Zeit übrig behalten, auch noch für andere große verleihbare Kapitalien zu sammeln, so darf doch der Umstand, daß wir in der internationalen Bankier­politik hinter andern Mächten zurückstehen, das Ausland nicht zu falschen Schlüssen mit Bezug auf die deutsche Leistungsfähigkeit veranlassen.

Deutschland produziert Jahr für Jahr in kaum überbotenem Maße Menscheu- kräfte und Kapitalkräfte. Hierin liegt seine Stärke, hierauf beruht die Stellung, die es sich in der Welt errungen hat. Uni aber diese Stellung dauernd zu behaupten, muß es vor jedem Stillstand in der Entfaltung seiner Produktivkraft bewahrt werden und ebenso vor jeder äußeren Hemmung, die der Betätigung seiner beständig neu zuwachsenden Kräfte droht. Zu diesem Ende bedarf es einerseits der Fürsorge sür das Anwachsen der ländlichen Bevölkerung an Stelle ihrer Verminderung durch Wanderungsverluste, anderseits einer von gewiegten Diplomaten geführten Weltpolitik, die der offenen Tür zum Siege verhilft über die Jnteressensphärenleitung und unter Beibehaltung des staatlichen Indi­vidualismus im Gegensatze zu einem uns fälschlich zugeschriebenen Imperia­lismus die in Mitteleuropa auf wirtschaftliches und politisches Zusammen­wirken angewiesenen Kräfte zu weltpolitischer Freundschaft und wirtschaftspolitischer Interessengemeinschaft verknüpft!

!WMM