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Reichsspiegel
Reichsspiegel
(Vom 12. bis 18. Juni)
Innere Politik
Die Tagung des Hcmsabuudes — Ihre Bedeutung für die innerpolitische Lage — Stellung der Regierung — Das Preußisch-deutsche Staatsproblei» — Rücktritt des Oberpräsidenten von Posen
Das wichtigste politische Ereignis der vergangenen Woche war die erste Tagung des Hansabundes am 12. Juni. Welche große Bedeutung Freund und Feind dieser „Heerschau" beimessen, erhellt am besten aus der lebhaften Erörterung darüber in der Presse und nicht zum wenigsten aus den vielfachen Versuchen in der Deutschen Tageszeitung und Kreuzzeitung sie herabzusetzen. Wer Gelegenheit gehabt hat, der Sitzung am Montag, der zwischen acht- und neuntausend Menschen beiwohnten, mit kühlem Herzen zu folgen, hat auch den Eindruck davon getragen, daß hier ein gemeinsamer Wille die Anwesenden verband. Hält diese Einigkeit, dieser Wille, sich von als drückend empfundenen Zuständen zu befreien, auch bei den nächsten Wahlen stand, dann dürste der Hansabund auch die Aufgabe erfüllen können, die er sich bei seiner Gründung vor zwei Jahren gestellt hatte. Das sehen auch seine Gegner ein. Um so mehr sind sie darauf bedacht, Bresche in die Einigkeit zu legen.
Die Leitung des Hansabundes erleichtert die Bemühungen der Gegner bis zu einem gewissen Grade, indem sie nach deren Behauptung keine klare Stellung gegen die Sozialdemokratie einnimmt. Auch Rießers Schlußrede wird dazu ausgebeutet, den Hansabund als einen Freund der Sozialdemokratie hinzustellen. Sollte diese Auffassung in ernsthaften Kreisen Verbreitung finden, so müßte es im Hinblick auf die nächste Entwicklung unserer inneren Politik sehr bedauert werden. Noch hat der Hansabund eine Aufgabe von allgemein nationaler Bedeutung zu erfüllen, bei deren Durchführung ihn alle bürgerlichen Nichtagrarier unterstützen sollten. Der Hansabund braucht keine Parole gegen die Sozialdemokratie auszugeben. Allein die Tatsache seines Erscheinens aus der politischen Bühne entzieht der sozialdemokratischen Partei schon viele tausend Wähler. Seine Gründung, die ausschließlich erfolgte, um den Übergriffen des Bundes der Landwirte auf wirtschaftlichem Gebiete die Spitze zu bieten, macht es für taufende von Angehörigen des Mittelstandes unnötig, sozialdemokratische Stimmzettel abzugeben, die bislang wähnten, allein hierdurch gegen die herrschenden Kreise protestieren zu können. Der Hansabund ist gleichsam ein Fangnetz für die vielen Unzufriedenen, die bisher glaubten, nur mit Hilfe der Sozialdemokratie aus gewissen sie drückenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen herauskommen zu können. Unter diesen Tausenden befinden sich aber nicht wenige Staats-, Kommunal- und Privatbeamte, die durchaus keine Republikaner sein wollen. Sollen sie vollständig dem Einfluß der Sozialdemokratie verfallen oder soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, im bürgerlichen Lager für ihre Interessen zu kämpfen? Von diesem Gesichtspunkt aus, so meine ich, soll man im gegenwärtigen Zeitpunkt auch in den Kreisen der höheren Beamtenschaft und der sonstigen Gebildeten die Organisation des Hansabundes selbst dann bewerten, wenn man die Überzeugung hat, ihn später bekämpfen zu müssen.
Leider erkennt die Regierung, die das Auftreten des Hansabundes vor zwei Jahren noch freudig begrüßt hatte, seine den Wert einer wirtschaftlichen