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Pseudokonservativismus in der Schule
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pseudokonservativismus in der Schule

von Prof. Dr. Ludwig Remmcr-Münchcn

iernndzwanzig Jahre dauerte es, bis das gezogene Geschütz den Widerstand der Anhänger des glatten Geschützes so weit über­wunden hatte, daß die entscheidende Behörde, die preußische Artillerie­prüfungskommission, auf den Antrag des Prinzen Adalbert von Preußen Versuche zur Auswahl gezogener Geschützkaliber anstellte, und sicher ist auch bei diesem Kampfe des besseren Neuen mit dem überholten Alten leidenschaftlich auf die Verdienste des alten Systems, mit dem man die Schlachten der Befreiungskriege geschlagen und von den märkischen Burgen bis M den französischen Festungen im Jahre 1815 viel feindlichen Trotz gebrochen hatte, hingewiesen worden. Das Alte hat Verdienste, das Neue bietet nur Verheißungen. Man kann den preußischen Generalinspekteur der Artillerie ver­stehen, der noch nach dem Siege des gezogenen Systems sich nur im Dienste M der neuen Waffe bekehrte, in seinem Innern aber dem alten Glauben anhing und wünschte,bei seinen: Tode solle nur mit glatten Geschützen Salut ge­schossen werden".

Bei dem Kampfe gegen die alte, Volkskraft vergeudende Mittelschule handelt ^ sich aber viel weniger um einen Kampf zwischen Verdienst und Versprechen als um den zwischen Schaden und Schadenverhütung.

Im Jahre 1890 waren unter den 5000 Einjährig-Freiwilligen des Garde­uno I. bis XI. Armeekorps 29,7, rund 30 Prozent mit Kurzsichtigkeit behaftet. Von diesen Kurzsichtigen hatten 23,3 Prozent den Berechtigungsschein durch ein Examen vor einer besonderen Prüfungskommission erlaugt, 27,2 Prozent durch °en ersolgreichen Besuch der Untersekunda eines Gymnasiums oder Real­gymnasiums, 30,2 Prozent waren Abiturienten der höheren sechsklassigen Bürger­schulen, W,6 Prozent Abiturienten der höheren neunklasfigen Lehranstalten.

Grenzboten II 1911 69