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Rassedienst
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Rassedienst

von Prof. Dr. Erich Becher-Münster i, w.

s ist zu etwas Selbstverständlichem geworden, daß Naturerkenntnis Naturbeherrschung ermöglicht. Die Fortschritte der exakten Natur­wissenschaften seit Beginn der Neuzeit haben die Kräfte der anorga­nischen Natur den Zwecken der Menschheit in steigendem Maße dienstbar gemacht. Die Benutzung der toten Naturkräfte durch die Maschine hat der Kultur der Gegenwart ein eigenes Gepräge gegeben. Wenn von Naturbeherrschung die Rede ist, so denken wir zunächst an die Erfolge der Technik, an die Verwertung der Kräfte der toten Natur, an Lokomotiven oder elektrische Maschinen.

Die Benutzung anorganischer Naturerscheinungen, wie etwa des Feuers, durch den Menschen ist eine uralte Errungenschaft primitiver Kultnr; aber uralt ist auch die Verwertung einfachster Kenntnisse über Pflanzen- und Tierwelt, wie sie der Viehzucht und dein Ackerbau zugrunde liegen. Das Wissen um die Erscheinungen des Lebens hat seit der Renaissance stetige und erhebliche, aber zunächst doch viel langsamere Fortschritte gemacht als die physikalische Forschung, und dementsprechend waren auch die Erfolge in der Beherrschung der lebenden Natur, so bedeutend sie in Landwirtschaft und Heilkunde sein mochten, nicht so umwälzend wie der Siegeszug der industriellen Technik. Indessen haben seit einem halben Jahrhundert die Wissenschaften vom Lebendigen ihrem schwierigen Gegenstande in rascher Folge Einsichten abgerungen, die schnell praktische Be­deutung erlangten, indem sie z. B. die ganze Medizin und Hygiene umgestalteten. Unter den Gedanken, die vor einem halben Jahrhundert die biologischen Wissen­schaften in ein an schnellen Erfolgen reiches Stadium überführten, steht die Entwicklungslehre Darwins an erster Stelle.

Rassedieust, Rassehygiene oder Eugenik ist ein Zweig der Technik des Lebendigen, der aus der biologischen Entwicklungstheorie Darwins hervorwuchs; er steht übrigens mit der bereits viel älteren Praxis der Vervollkommnung von Nutztieren und -pflanzen durch Zuchtwahl in engem Zusammenhang. Schon griechische Dichter uud Denker, wie Theognis und Plato, haben den Gedanken einer Züchtung vollkommenerer Menschen durch Paarung wertvollen Menschen­materials ins Auge gefaßt und die Staatsromane späterer Jahrhunderte haben den Vorschlag des genialsten Utopisten oftmals aufgenommen. Die Erfolge der k'instlichen Zuchtwahl, wie sie Tier- und Pflanzenzüchter zur Verbesserung der Rassen und zur Hervorbringuug neuer Formen benutzten, dienten Darwin zur Begründung seiner Lehre von der Höherbildung der Lebewesen durch natürliche Zuchtwahl, durch die züchtende Wirkung des Kampfes ums Dasein. Bei der Ausdehnung der Entwicklungslehre auf den Menschen mußten Darwin und der Mitbegründer der Zuchtwahlhypothese, Wallace, auf die Frage stoßen, welche Rolle die entwicklungsfördernden Faktoren in der Kulturmenschheit spielen. Ein