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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Geschichte

Über die ersten beiden Bände von Gn,;li- elmo Fcrreros „Größe und Nieder„a»n RomS"(die deutscheUbersetznng von Ernst Kapff erscheint bei Julius Hoffmnnn in Stuttgart) ist im zweiten Bande des Jahrgangs 1908 der Grenzboten, S> 71 ff,, ausführlich berichtet worden; den folgenden drei Bänden wurden im erste» Bande des Jahrgangs 190!», S, 484, imd im inerten Bande desselben Jahrgangs, S. 479, kurze Notizen gewidmet. Dem Ver­hältnis des Volumens der ersten Bände zur Länge der behandelten Zeit nach durfte man bermnteu, der Verfasser würde uns in den angekündigten sechs Bänden bis znm Unter­gänge des weströmischen Reiches führen, allein der im vorigen Jahre erschienene sechste Band schlicht mit dem Tode deS Augustns: die an Gibbon erinnernde zweite Hälfte des Titels erscheint also nicht gerechtfertigt. Wie Ferrero als Geschichtsforscher von seinen Fnchgeiwsseu eingeschätzt werden mag, weis; ich nicht, als Geschichtsschreiber ist er ein Meister: die leitenden Personen, das Volk und seine Zn- stände läßt er in warmer Lebcnsfülle vor unseren Augen erstehen, und jedes seiner handlichen Bändchen ist eine angcuehme Nachtischlektüre, Sehr gründlich werden die wirtschaftlichen Verhältnisse und Zustände jedes Zeitabschnitts behandelt, was jn heute, wo nicht bloß jeder Historiker, sondern jeder Mensch mit ökonomischen Angen sehen gelernt hat, viel leichter ist als in Mommseus oder gnr in Gibbons Zeit; von den deutschen Forschern hat in dieser Beziehnng besonders Ludwig Friedländer dem Italiener vorgear­beitet. Wir sehen im vorliegenden Bande das rvmanisierte Gallien sich zn einem abend­ländischen Ägypten, zu einer Geldgnelle für

den Staat entwickeln nnd EKvrtindnstrien hervortreiben. Wir sehen in Italien einen großenteils aus Veteranen und Leuten gallischer, auch orientalischer Abkunft bestehenden neuen Bauern- und Handwerkerstand gedeihen nnd aus diesem eine Bourgeoisie der Empor­kömmlinge Heranswachsen, welcher der her­gebrachte Name „Ritterstand" verblieb. Wir sehen auf diese Weise Italien nun endlich wieder von seiner eigenen Arbeit leben, nicht mehr vom Raube der Provinzen, der freilich zur Begründung des neuen Mittelstandes mitgeholfen hat. Als Augustns einen Vete­ranen, bei dem er zu Gaste war, nach der Geschichte des Soldaten fragte, der für seinen frevelhaften Angriff auf die Bildsäule der Göttin Ann'i'tis mit Blindheit bestraft worden sein soll, antwortete der Manu mit ver­schmitztem Lächeln: „Du verspeisest ein Stuck von der Lende der Göttin," Er hatte den Goldklumpen, den er, ohne zu erblinden, von derStatue losgehauen, vortrefflich angewendet. Wir werden über die Ursachen unterrichtet, die in Oberitalien eine» tüchtigen Bauernstand ermöglichte», Unteritalien in der ans Lati­fundien betriebenen Weidewirtschaft stecken bleiben ließen, „Man gab sich damals Hin­sichtlich der wirtschaftlichen Möglichkeiten i» Süditalien nicht den naiven Illusionen hin, in denen sich die Jtnlieuer des zwanzigsten Jahrhunderts ergehen," Und wir ^verstehen ganz leicht, wie der nene Mittelstand „mit seinem feisten Behagen", bei seiner geringen Bildung dem Einfluß orientalischer Sklaven »ud Freigelassener unterliegend, sehr bald „das Gefühl für die politische Idee verlor, die der unpersönlichen Hoheit des republi­kanischen Regiments mit dem Senat nn der Spitze zugrunde lag, und mehr nnd mehr in den Bann der Person des Prinzips geriet",