210
Vor Getreidebau
Diese Einfachheit und Regelmäßigkeit hat ferner eine Eigentümlichkeit der Esperantosprache zur Folge, die sich in keiner anderen findet. Beim Esperanto ist es möglich, ohne Kenntnis der Grammatik, nur mit Hilfe eines Wörterbuchs, innen Text zu verstehen, wenn Wörterbuch und Text die Bildungssilben trennen. So gibt es in den Hauptkultursprachen dünne Hefte, sogenannte Schlüssel, die man einem Brief beilegen kann. Will ich an einen Ausländer schreiben, von dem ich nicht weiß, welche Sprache er außer seiner mir fremden Muttersprache versteht, so kann ich in Esperanto schreiben und einen Schlüssel in seiner Sprache beilegen, und ich werde verstanden werden. Solange Esperanto nicht allgemein eingeführt ist, kann das unter Umständen von Vorteil sein. Man denke sich den Fall, daß jemand mit dem Automobil oder dem Luftschiff von Lissabon nach Petersburg fahren will und in einer Gegend, wo er sich nicht verständigen kann, eine Panne erleidet. Hat er einen Esperantoschlüssel in der Sprache jener Gegend, so kann er seine Wünsche aufschreiben und sie durch den Schlüssel entziffern lassen. Mag das praktisch auch nicht von großer Bedeutung sein, so ist es doch ein Beweis dafür, wie gering die aufzuwendende Mühe im Vergleich zu dein Nutzen ist, den Esperanto für die Kultur haben kann.
Ist man einmal überzeugt, daß eine natürliche Sprache nie die zweite Sprache für jedermann werden kann, so wird man, glaube ich, nach dem Ausgeführten zugeben, daß Esperanto nicht nur an Reichtum der Ausdrucksmöglich- keiteu, sondern auch an Einfachheit und Regelmäßigkeit die beiden an ein allgemeines Verständigungsmittel zu stellenden Forderungen erfüllt: daß man alles damit ausdrücken kaun, und daß jedermann es mit viel geringerer Mühe lernen kann als irgendeine natürliche Sprache.
Der Getreidebau
Line Erwiderung auf Professor Lujo Brentanos Denkschrift: „Die deutschen Getreidezölle" von Landrat a, D, v. Gottberg-Potsdam
^err Brentano, Professor der Staatswissenschaften in München, erklärt den deutschen Getreidebau — ob ohne oder mit Zöllen — für unrentabel und konkurrenzunfähig. Er ist deshalb vom Grafen Schwerin-Löwitz, dem Vorsitzenden des Deutschen Landwirtschafts- I rats, auf dem Festmahl desselben am 15. Februar d. Js. angegriffen worden. Graf Schwerin feierte unter allgemeinem Beifall der versammelten Landwirte in begeisterten Worten die wachsende, in kaum geahnter Weise steigende Kultur unseres deutschen Grund und Bodens.
UW.
cM^'