Reichsspiegel
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Reichsspiegel
(Vom 17, bis 23, April)
Hseresfragen
Die Wünsche der Infanterie — Einseitigkeit und Bescheidenheit — Verabschiedung ^ Borpcitentiernng — Automatische Zweiteilung
Die im Heft 10 der Grenzboten dargestellten Beförderungsverhältnisse bei der Infanterie sind naturgemäß schon seit Jahren Gegenstand einer lebhaften Erörterung in den von ihnen betroffenen Kreisen und haben auch zu den verschiedensten Vorschlägen zur Abhilfe geführt. Aus Gründen, die mit der wissenschaftlichen Abgeschlossenheit des deutschen, insonderheit preußischen Offizierskorps zusammenhängen und die in einem späteren Hefte erörtert werden sollen, haben sich die Vorschläge eigentlich immer nur in einer Richtung bewegt, die am besten, gekennzeichnet wird durch die Schlagworte: Verbesserung des Avancements, Schaffung neuer Stellen, neuer Formationen, verbesserte Anstellungsverhältnisse für verabschiedete Offiziere.
Im einzelnen betrachtet konzentrieren sich die Wünsche der Infanterie- offiziere gegenwärtig ans folgendes: 1. Auch der Infanterist soll die Stellung als Regimentskommandeur grundsätzlich bereits als Oberstleutnant erreichen, wie es bei den anderen Waffen der Fall ist. Der Anfang könne mit den kleinen Regimentern gemacht werden. 2. Jedes Jahr sollen weitere Bezirkskommandeurstellen in solche mit dem Rang und Gehalt von Regimentskommandeuren umgewandelt und je vier bis sechs Bezirkskommandos einem aktiven Landwehrinspekteur, aus der Infanterie hervorgegangenen Generalmajor unterstellt werden.
3. Solange bei der Infanterie noch schlechtere Beförderungsverhältnisse bestehen als bei den anderen Waffen, sollen die außerhalb der Front vorhandenen Stabsoffizierstellungen, die aus dienstlichen Gründen nicht notwendigerweise einem Nichtinsanteristen übertragen werden müssen, der Infanterie vorbehalten bleiben.
4. Das Gehalt als Major, Oberst und Generalmajor soll jedem Infanteristen von dem Augenblick an zugebilligt werden, wo es von einem gleichaltrigen Frontoffizier anderer Waffen bezogen wird.
Aus der Keinen Übersicht geht hervor, daß sich die Wünsche des Jnfanterie- offizierkorps sehr bescheiden vor allen Dingen auf eine Gleichstellung mit den Kameraden der anderen Waffen richten. Denn dies Mißverhältnis bestand nicht immer. In früheren Jahren hatte nur die Kavallerie günstigere Beförderungsverhältnisse für das Erreichen der Regiments- und Brigadekommandeurstellungen. Dies war natürlich und wurde auch nicht als Ungerechtigkeit empfunden wegen der mit dem Offizierersatz für die Kavallerie verbundenen Schwierigkeiten und weil kein Einsichtiger bestreiten kann, daß die Kavallerie in diesen Stellungen mehr noch als die anderen Waffen junge Führer braucht. Freilich wurde neben Grenzboten ll 1911 24