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Reichsspiegel :
(Vom 10. April bis 13. April)
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Reichsspiegel

(Vom 10, bis 13. Slpril)

Innere Politik

Des Kronprinzen Heimkehr Mißliche Zustünde Schulerselbstmorde Amtliche Statistik Gefahren des Idealismus Notwendigkeit weiterer Erhebungen über die Ursachen des Selbstmordes bei Schülern

Am Dienstag, den 11. d. Ms., ist von Wien kommend das Kron- priuzenpaar nach fünfmonatiger Abwesenheit von der Heimat wieder in Potsdam eingetroffen. Der künftige Träger der deutschen Kaiserkrone sieht ebenso wie seine Gemahlin frisch und von einer südlichen Sonne gebräunt ans. Seine hagere Gestalt erscheint straff und sehnig, so daß man getrost glauben darf, die Besorgnisse, die früher hier und da wegen der Gesundheit des Kronprinzen aufgetaucht sind, hatten keinerlei Begründung. Wenn auch die Reise nicht in dem ursprünglich in Aussicht genommenen Umfange durchgeführt werden konnte, hat der Kronprinz doch mancherlei gesehen und gehört, was ihm in Berlin wie in Deutschland überhaupt bei den einmal herrschenden, auf historischer Über­lieferung beruhenden Verhältnissen nur selten oder gar nicht begegnet. Der Umgang mit freien, zielbewußt an ihrem Platze wirkenden Menschen, die absichtlich oder zufällig mit ihm in Berührung gekommen sind, mag dem Kronprinzen die Augen über mancherlei Engherzigkeiten bei uns weiter geöffnet haben, als das Studium eines Wagens voll Büchern wohl gekonnt hätte.

Die Heimat trifft ihr künftiger Monarch nicht in der hoffnungsvollen Stimmung an, die sonst das charakteristische Merkmal des Osterfestes genannt werden darf. DasChrist ist erstanden!" scheint auf unsere Zeit uicht mehr zu passen. Auch die Friedfertigsten unter uns rüsten zum Kampf, weil scheinbar eine Aussöhnung der inneren Gegensätze im Volk nicht möglich ist ohne Sieg und Niederlage. Soll man's bedauern? Im Kampf, auch im politischen, werden so viel ethische Werte mobilisiert, daß das bevorstehende Ringen vielleicht ganz heilsam auf die vielfach beobachtete Stagnation wirken könnte.

Der Semesterschluß der höheren Lehranstalten war wieder von drei Schüler­selbstmorden begleitet. Mit Recht haben die neuerlichen Fälle die öffentliche Meinung erregt und zu einer lebhaften Erörterung in der Presse Veranlassung gegeben. Im Gegensatz zu früher beobachteter Gepflogenheit haben die Zeitungen nicht ohne weiteres die Schule für die traurigen Fälle verantwortlich gemacht. Die Erregung findet vielmehr in sachlichen Aussprachen ihren Widerhall, die darauf hinzielen, die wahren Gründe für die Erscheinung festzustellen. In dankenswerter Schnelligkeit ist auch das preußische Kultusministerium mit An­gaben hervorgetreten, die geeignet erscheinen, wenigstens in einer Hinsicht Beruhigung zu verbreiten. So darf vor allen Dingen nicht von einer Zunahme