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Gustaf af Geijerstam
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Gustaf as Geijerstam
von Alfred !v ien-Lharlotte»l>urg
ellauf leuchtet am Himmel der Dichtung Skandinaviens das glänze volle Siebengestirn: die vier großen Norweger — Ibsen, Björnson, Kielland und Jonas Lie — und die drei großen Schweden — Strindberg, Selma Lagerlöf und Gustaf af Geijerstam. Nicht alle sind Sterne erster Größe. Ibsen und Björnson, die ungekrönten Könige des Nordens, deren rauschendem Skaldensang eine Welt lauschte, überstrahlen die anderen. Aber auch von diesen hat ein jeder seine eigene volltönige Melodie.
Das Lied Geijerstams tönt wohl vor allen als die sanfteste Weise in leise und ruhig fortschreitenden Akkorden, nicht als gewaltige Sinfonie, deren titanische Kraft den Himmel stürmt, sondern als ein getragenes Adagio, das ernst in den stillen Herbstabend verklingt. Geijerstam liebt den Herbst; wie oft hat er ihn in leisen und feinen Tönen hingemalt. Herbststimmung I — Sie ist für den Charakter seiner Dichtungen genau so typisch wie etwa für Ibsen die winterkühle Gedankenwelt, über der gleichsam der kalte, freilich auch klare Firnenschein der höchsten Gletscher, der obersten Gipfel liegt, oder wie für Björnson die sonnige Geistesheimat, die sich wie eine weite, hellfrohe Landschaft breitet — eine schmetternde Fanfare des Sommers. Bei Geijerstam herrscht überall gebrochenes Licht. Gewiß fehlt es auch nicht an satten, üppigen Farben; doch sie erscheinen seltsam gedämpft wie hinter verschleiernden Nebeln. Traumstille, in der das Vergangene sich mit dem Zukünftigen verwebt, in der sich Erinnerung und Ahnung berühren, ist das Element seiner Schöpfung. Diese Kunst erscheint fast weiblich weich.
Das ist dem Dichter oft zum Vorwurf gemacht; Strindberg spricht in seinen „Schwarzen Fahnen" gehässig und ohne Verständnis geradezu von „femininem Ästhetizismus." Feminin? — Weil er unendlich empfänglicher ist als die meisten, schon vom leisesten Anschlag des Lebens schmerzhaft berührt wird? Denn das ist außer Zweifel: ein Leben und Leid steht hinter dieser Dichtung. Da von kleinsten Gefühlsdifferenzen zu reden, die zu etwas Großem und Entscheidendem aufgebauscht werden, um daraus „Literatur" zu machen, grenzt an Frivolität. Mit Recht erwidert Friedrich Düsel in seiner Vorrede zu der trefflichen Gesamtausgabe (Berlin, S. Fischer. S Bände. 12 M), daß die Künstlerseele, soll sie die ganze Skala der Empfindungen umspannen, etwas von jener Zweigeschlechtigkeit haben muß, aus der allein die Harmonie einer höheren Menschlichkeit hervorgeht. Wenn für einen Leben und Lehre eines bedeuteten, so war es Geijerstam. Wie sagt doch Björnson? „Nicht plumpe Eisenkessel werden ausgewählt, um Heilmittel zu tragen ... Die Menschenliebe, die geht umher und befühlt die Hände, ob die Haut zart genug ist. Und denen, die eine solche Haut haben, werden die Initiativen anvertraut." Die Menschenliebe — als Eros und Caritas — sie ist verkörpert in Geijerstams Wesen und in seinen Schöpfungen.
Das gilt jedenfalls von den wertvollsten seiner Romane. Selbst, oder vielmehr gerade da besteht es zu Recht, wo die Konflikte leidvoll enden. Und zumeist enden sie leidvoll. Überall ist es ein Zusammensinken der Seelen in jubelnder, schrankenlos verschwenderischer Hingabe und ein qualvolles, langsam und unerbittlich sich voneinander Losreißen. Aber hier erst feiert die Liebe ihren wahren Triumph — die