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volksuntcrhaltung
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Volksunterh altung
von Paul Matzdorf-Lothen (Mary
er heute mit der Absicht durch die deutschen Lande pilgert, um das !Volk beim Spiel und Festefeiern zu belauschen, deu wird bald die Langeweile, das „Angeödetsein" heimtreiben. Beim Studium der alten Chroniken, der Neisebriefe bis vor fünfzig Jahren wird es l ihm zum Bewußtsein kommen, daß unsere Volksgemeinschaft unter dem Einfluß eines materialistischen Zeitgeistes reiche Schätze achtlos über Bord geworfen hat.
Wo sind die sinnigen, gemütvollen Gesellschaftsspiele, die schönen Reigentänze, die anmutigen Bewegungsspiele auf dem Dorfanger, wo die ergreifenden Passionsund Krippenspiele, die übermütigen Fastnachtsspiele hingekommen?
Wir sind reich geworden an Wissen und Nationalvermögen und arm an echten Volksfreuden. Unsere Volksunterhaltuug ist durchweg auf die Stufe niederer Sinnlichkeit herabgesunken. Überall liegt sie in den Banden des Alkohols, läuft sie in den öden Schranken der Vereinsmeierei, gähnt sie hinter dem Fächer und der hohlen Hand.
Sozialpolitiker, Volksfreunde aus allen Ständen bemühen sich jetzt, insonderheit das arbeitende Volk aus dem öden Geschwätz und dem Dunsthauche der Schank- stube herauszuführen, Herz und Siun für edlere Genüsse empfänglicher zu machen und einen Boden für gemeinsame Belehrung und Unterhaltung zn schaffen, der vor allem der heranwachsenden Jugend die „Köpfe hell und die Herzen warm" inachen möchte.
Die auf die geistige und sittliche Hebung der breiten Volksmassen ausgehende Reform der Volksunterhaltung hat in einzelnen Teilen unseres Vaterlandes, z. B. in Oberschlesieu, schon bestimmte Gestalt angenommen.
Dort wird unter der Direktion des bekannten Oberregiernngsrats Dr. Küster von einer Zentralstelle (Oppeln) aus Rat und Hilfe in allen Volksunterhaltungsfragen gewährt. An tausend Vereine werden von hier aus mit guten Vortrags- stoffen, Lichtbilderserien usw. versorgt.
Was hier bei einer zweisprachigen, gemischt konfessionellen, vorwiegend industriellen Bevölkerung möglich geworden ist, sollte in den Provinzen mit weniger schwierigen Verhältnissen nicht unmöglich sein!
Die Erziehung zur Wehrhaftigkeit und sittlichen Ertüchtigung darf nicht erst mit dem Eintritt ins Militär beginnen, sondern muß vor alle« Dingen die gefährliche Lücke zwischen „vierzehn und achtzehn" schließen.
Erfreulich ist der Aufschwung des Jugendspiels im Freien, die Förderung des Turnwesens in Stadt und Land dank des lebhaften Interesses der staatlichen und städtischen Behörden.
Mit der Einrichtung öffentlicher Spielplätze in den Städten sollte auch der ehemals für die Volksunterhaltnng so bedeutsame „Dorfanger" wieder zu seinem Rechte gelangen.
Sehr wünschenswert, nein notwendig ist die Erhaltung unserer volkstümlichen Bewegungsspiele. Sie geben dem jugendlichen Geiste die nötige Bewegungsfreiheit