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Der junge Bismarck
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Der junge Vismarck

von A. Senfft v. Pilsach

ismarcks Leben seinem Volke zu schildern, ist keine einfache Aufgabe. Anziehend oder abstoßend strömt der Name des toten Helden noch heute die geheimnisvollen magnetischen Kräfte aus, die dem lebenden verliehen waren. Zustimmend oder widersprechend ist das lebende Geschlecht in Deutschland mit seinem politischen Denken und Fühlen in Bismarcks Schatten aufgewachsen. Das ist kein günstiger Standpunkt für den Historiker, der die ihm nötige Übersicht nur aus gemessener Entfernung gewinnen kann.

Nun vollends Bismarcks Jugend! Seit langem ein Spalier für das üppig rankende Blätterwerk der Anekdote, verheißt sie der Geschichtschreibung nur spärliche Ausbeute. Bismarcks Taten fallen in sein reiferes Mannesalter; er gehört nicht zu den Lieblingen der Götter wie Alexander der Große, Raffael oder Mozart, deren Leben vor der Mittagshöhe endete und dennoch unvergängliche Spuren zurückließ. Bismarcks Jugend zeigt uns ein frühes Entfalten und Überschäumen; unverkennbar verlangsamt dann die Maßlosigkeit seiner Selbstbetätigung den Prozeß seines Reifens. Übersättigung und Ungeduld führen seine leidenschaftliche Natur dem moralische,? Schiffbruch der Verzweiflung nahe. Aber noch zur rechten Zeit rettet ihu sein guter Genius aus der Brandung an das sichere Ufer eines inneren und äußeren Glückes.

Auf den ersten Blick mag eine solche Jugend den Romandichter stärker fesseln als den Geschichtsforscher. Und doch hatte Goethe recht mit seiner Äußerung zu Eckermann: Die bedeutendste Epoche eines Individuums ist die der Entwickelung. Das trifft auch für Bismarck zu. Für uus und für die Weltgeschichte bleibt der Zeitabschnitt von 1862 bis 1871 weitaus der bedeut­samste in Bismarcks Leben. Für die Ausbildung seines Charakters und darum Grenzboten I 1911 7«