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Die Partei der Gebildeten
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Die Partei der Gebildeten

von Dr. Adolf Graboivsky-Berlin

ie Partei der Vergangenheit war eine Zusammenfassung von Elenrenten, die unter einem gemeinsamen Ethos fochten, die Partei der Gegenwart unterscheidet sich nur dem Namen nach von einem I Jnteressenverbcmd, die Partei der Zukunft wird eine Gemeinschaft ^sein, die unter steter Berücksichtigung aller Wirtschaftsfragen doch wieder große Ziele ideeller Art verfolgt. Es ist der Hegelsche Ablauf der Ent­wicklung: erst die These, dann die Antithese, zuletzt die Synthese. In einem Zeitalter des Amerikanismus können und wollen wir nicht mehr zu den Männern der Paulskirche zurück, die mit Weltanschauungen alles zu lösen vermeinten und darum gar nichts lösten. Wir sind ein praktisches Volk geworden, mit praktischen Zielen, das sich auf dem Weltmarkt durchsetzen will. Und innerhalb dieses Volkes ringen erbittert Interessengruppen miteinander. Hierdurch ist ein neuer Stündestaat geschaffen worden, der zwar nicht die klare Gliederung des alten aufweist — denn die Interessen werden meist mit Phrasen und Schlagworten drapiert —, in dem aber doch die verschiedenen Berufskreise zu ausreichendem Einfluß gelangt sind. Indem sich die Berufe aneinander rieben, tausend mög­liche und unmögliche Forderungen stellten und immer wilder einander den Rang abzulaufen suchten, wurden sie zu einer Krastentfaltung gedrängt, aus der heraus die wirtschaftliche Macht des Deutschen Reiches geboren ward.

Dieses Stadium mußte Deutschland erleben. Aber es darf nicht mehr sein als ein Stadium. Der wilde Konkurrenzkampf der Berufe führt zur Atomisierung des Staates. An diesem Punkte halten wir jetzt. Hätten wir in Deutschland nicht eine so starke Monarchie, die sich immer wieder ausgleichend über die Berufe und Klassen erhebt, und verteidigte diese Monarchie nicht unnachgiebig den AntiParlamentarismus, so wäre Deutschland heute zerbröckelt. Grenzboten I 1911 70