Adolf Fischhof
435
ich und wir alle sind nichts als Knechte und Werkzeuge dieser Gewalten, verehren sie, beten sie an als den allmächtigen, rätselhaften Gott. — Leb Wohl, Schwester Eufemial"
Meine Worte, so ernst sie mir auch kamen und von den Lippen gingen, klangen in mir selbst doch wie ein hohles Echo Wider.
Bedrückt von meiner Rolle wandte ich mich ab, sah Eufemia nicht mehr, noch irgend jemand aus der Menge, wandte mich zur Tür und ging davon, stark und müde zugleich wie nach einer Tat von entscheidender Wirkung, und doch befleckt von dem Bewußtsein, nur einen kleinen, schlechten Komödianten vorzustellen auf der Bühne einer großen, wahrhaftigen Welt.
Adolf Fischhof
von Larl Ientsch-Neiße
aß Fischhof die österreichische Revolution eingeleitet hat, ist allgemein bekannt, aber um seine spätere politische Tätigkeit wissen wohl nur die österreichischen Politiker von Fach. Weil sein politischer Einfluß, der sünftehalb Jahrzehnte umfaßt, sehr wohltätig gewirkt hat, und wegen seines edlen Charakters verdient er das biographische Denkmal, mit dem Richard Charmatz sein Andenken auffrischt. („Adolf Fischhof, das Lebensbild eines österreichischen Politikers." Mit zwei Abbildungen. Stuttgart und Berlin, I. G. Cottas Nachfolger, 1910.) — Adolf Fischhof wurde 1816 als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns in Ofen geboren. Der Vater verlor sein Vermögen, und Adolf wanderte nach Absolvierung des Gymnasiums mit 10 Gulden in der Tasche nach Wien, wo er sich zum Doktor der Medizin durchhungerte und durchplagte. Er fand als Sekundärarzt Anstellung am Allgemeinen Krankenhanse der Kaiserstadt — mit 40 Kreuzer Tageshonorar. Seine Erholungszeit füllte das Studium der Politik und der Geschichte aus. Und als im März 1848 der in Paris ausgebrochene Sturm auch die von Metternich geistig abgesperrten Wiener ergriff und am 13. im Hofe des Hauses der niederösterreichischen Landstände eine von unklaren Hoffnungen in Spannung versetzte Volksmenge der Dinge harrte, die nun kommen sollten, da, erzählt Fischhof selbst, „dachte ich bei mir, daß ein Moment, so günstig für das Volk wie kein zweiter, nicht ungenützt verstreichen dürfe. Ich fand es erbärmlich, daß in dieser ganzen großen Masse nicht ein Mann den Mut und die Kraft hatte, ein zündendes Wort hineinzuschleudern, der hohen geschichtlichen Bedeutung des Augenblicks enthusiastisch Ausdruck zu geben und diese neugierige Menge zu einer großen Kundgebung hinzureißen. Bist du nicht selbst solch ein Erbärmlicher? sagte ich zu mir. Tiefbeschümt faßte ich also gleich den Entschluß, zu reden. Um von diesem Entschluß nicht wieder zurückweichen zu können, rief