Der Beamte als Staatsbürger
von Geh. Regicrungsrat Bock-Heidelberg ^'iitglied des Reichstags
er in den letzten Jahren unserem öffentlichen Leben ein aufmerksames Auge geschenkt hat, dessen Herz hat sicherlich Kümmernis und Sorge beschlichen, wenn er sehen mußte, wie in immer steigendem Maße die Geltendmachung wirtschaftlicher Interessen die Geister und die Gemüter in ihren Bannkreis riß und gefangen — vielleicht kann man sagen auch: befangen — hielt.
Aus der Entwickelung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse war es begreiflich und begründet, daß sich im Kampf des täglichen Lebens und in der Not der Zeiten gleiche Interessen zur gegenseitigen .Hilfe und Förderung zusammenschlössen. Aber es war nur natürlich, daß die scharfe Betonung der Ansprüche und Wünsche einer Jnteressentengruppe die Gegensätzlichkeit einer anderen weckte. Die Be- tätigung im öffentlichen Leben schien aufgelöst in einen bedrohlichen Widerstreit materieller Interessen und deren Vertretungsformen. Keine der bürgerlichen politischen Parteien blieb davon unberührt. Ja, unter dem Druck der wirtschaftlichen Interessengegensätze konnte eine Zeitlang die Gefahr ihres Anseinanderfallens befürchtet werden. Hie Landwirtschaft, hie Industrie, hie Handwerk und Gewerbe, hie Arbeitgeber, hie Arbeitnehmer, hie Produzent, hie Konsument, so wogten die Meinungen und Auffassungen von dem, was man für das Staatswesen und die Richtung seiner Führung als vorteilhaft hielt, hin und her. Immer mehr schien das Verständnis für das, was die vielen Interessenten einigen, aussöhnen und zur Verträglichkeit mahnen soll, zurückgedrängt zu werden.
Da kamen die Verhandluugen des Reichstags im Herbst des Jahres 1906. Die Auslösung des deutschen Parlaments folgte. Es folgte die gewaltige Bewegung, die damals das deutsche Volk ergriff; es folgten die ersten Arbeiten des neu gewählten Reichstags. Nur an die Schaffung eines deutschen Vereinsrechts, Grmzboton I 1911 W