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Reichsspiegel :
(Vom 16. bis 22. Januar 1911.)
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Reichsspiegel

(Vom 16, bis 22, Jnmiar 1911,)

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Der 18, Jtnuuu! - Pcssimisinus und Optimismus Fürst Bülo>u Der Hausn- bund Nationale Slufgnveii.

Das war eine lebhafte Woche I Sie war so angefüllt mit politischem Kampf, daß selbst der 18. Januar, der zum vierzigsten Male als Geburtstag des Deutschen Reichs wiederkehrte, nicht recht zur Geltung gekommen ist. Im Publikum sprach man wenig von der Bedeutung dieses Tages, und nur spärlich fanden Festver­sammlungen stattl Was in der Presse zu lesen steht, ist herzlich wenig, es ent­spricht durchaus nicht der Wichtigkeit, die der Tag der Kaiserproklamation tatsächlich für die deutsche Nation hat. Doch kann man's den Zeitgenossen nicht verargen, daß sie mehr Sinn haben für die Gegenwart als für die Vergangenheit. Es gilt bald eine Schlacht zu schlage», die vielleicht für Jahrzehnte maßgebend den Gang der deutschen Politik beeinflussen soll. Und diese Schlacht wirft auf alle Ereignisse, Vorgänge, Erinnerungstage und politischen Maßnahmen bereits einen langen Schatten, der in den Erörterungen der Presse über den 18. Januar sicht­bar wird.

Die Äußerungen zum deutschen Nationalfesttage lassen sich in zwei Gruppen behandeln. Die eine Gruppe ist pessimistisch, die andere optimistisch. Die eine betont die Schattenseiten des heutigen politischen Lebens, die andere erkennt froh­gemut das errungene Gute an und späht nach neuen größerenZielen. Die eine Gruppe sieht die Gegenwart voll froher Zuversicht sich gestalten, die andere fürchtet durch sie lediglich Verluste. Die konservativen Parteiblättcr sehen überall nur Materialis­mus und Eigennutz, so daß sie der Erinnerung an die Reichsgründung nicht recht froh werden können; die liberalen Blätter weisen mit berechtigtem Stolz auf die Fort­schritte hin, die in den abgelaufenen vierzig Jahren möglich waren. General­feldmarschall von der Goltz und der Reichsbote haben dem Worte verliehen, was man in konservativen Kreisen denkt. Ist es wirklich wahr, daßWille und Tat, die männlichen Akkorde in unserem Volksleben, schwächer und schwächer erklingen"? Ist es wahr, daßheut überall die Unentschlossenheit des Willens, die Übersättigung der zu Wohlstand gekommenen Kreise und ein Zug der gebildeten Stände zum Trivialen der gefestigten Tatkraft und Lebensfrische der Helden vor vierzig Jahren gegenübersteht"? Wir möchten aus dem politischen Treiben und wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Streben andere Folgerungen ziehen. Wo sind denn eigent­lich die Anzeichen der krankhaften Schwäche? Haben sich die Söhne der Helden der Eiuiguugskämpfe nicht in den furchtbaren KoloniaWmpfen mutig geschlagen? Bringen Offiziere und Mannschaften nicht täglich Beweise von selbstloser Opferfreudig­keit? So kürzlich bei dem Verlust des Unterseebootes v 3? Lebt nicht in unserer Beamtenschaft, in der Kanfmannswelt,in den Kreisen derJndustrie einePflichterfüllung, die weit größere Hiudernisse zu überwinden weiß, als wie sie unseren Vorfahren mit ihren kleinen Verhältnissen gegenüberstanden? Auch in politischer Beziehung kann nur eine Belebung festgestellt werden, wie sie vielleicht seit vierzig Jahren nicht zu beobachten war. Im Lager der Konservativen wird diese Belebung freilich als eil? Werk von Agitatoren und Volksverführern hingestellt. Das ist sie nicht.