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Philosophischer Dogmatismus
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philosophischer Dogmatismus

von Dr. Georg Sellin

ls nach Hegels Tode die Hochflut der teils von ihm geschaffenen, ! teils nur in ein System gebrachten metaphysischen Spekulationen niederzugehen begann und auf den Taumel der verwegenen dogmatischen Konstruktionen eine wohltätige Ernüchterung folgte, trat mit dieser zugleich, wenigstens in den Kreisen der Gebildeten, eine Ermüdung und Erschlaffung des philosophischen Denkens hervor, eine auf­fallende Teilnahmlosigkeit gegenüber ferneren philosophischen Forschungen. Allerdings begann damals gerade die Herbartsche Philosophie Anhänger zu gewinnen, aber nur unter solchen, die das philosophische Studium sich zur Lebensaufgabe gemacht hatten; Schleiermacher erlangte zwar mächtigen Einfluß, aber mehr durch seine theologischen als durch seine philosophischen, dem Kantschen Idealismus entgegentretenden Ansichten. Allgemeineres Interesse erregten weder Herbart und Schleiermacher, noch Lotzes oder Fechners Spekulationen, noch auch die auf Kant zurückgehenden Denker. Erst mit dem Anfang der sechziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts etwa gewann die Philosophie Schopenhauers einen bedeutenden Einfluß. Sicher ist, daß Schopenhauer durch seine meisterhafte Behandlung der philosophischen Probleme mächtig anzieht; aber es ist gerecht­fertigt, wenn der Leser seiner Schriften nach deren gründlichem Studium und unbeirrt durch die ungewöhnliche Zuversichtlichkeit, mit welcher der Autor seine Meinungen vorträgt, die Überzeugung gewinnt, daß wenigstens die metaphysischen Probleme um keinen Schritt der Lösung näher gebracht sind, daß er überall, wo er hier über Kant hinausgeht, uns in mystisches Duukel statt in klare Erkenntnis hineinführt.

Wer sich nun ablehnend verhält gegen die dogmatischen Konstruktionen dieses Denkers und auch in den früheren Philosophemen nirgends ein widerspruch­loses Weltbild findet, nirgends ein Weltbild, das zwar noch vieler Ergänzung, mancher Berichtigung im einzelnen bedürfte, dessen Umrisse aber fest und sicher wären, dem könnte man glaube ich kaum verargen, wenn ihn das Ungenügende und die Unsicherheit der philosophischen Resultate gleichgültig macht gegen alle solchen Spekulationen, wenn ihm philosophische Diskussionen als