Das Projekt einer deutschen Aommunalbank
von Geh. Regierungsrat Dr. Seidel-Berlin
er Plan der Errichtung einer deutschen Kommunalbank, welcher an dieser Stelle bereits früher erörtert worden ist"), hat inzwischen weitere Gestalt angenommen. Wie in einem Rundschreiben des „Geschäftsführenden Ausschusses des Komitees der Landkreise zur Organisation des Kommunalkredits in Verbindung mit einem Zentralinstitut der Sparkassen" an die Landräte des preußischen Staates mitgeteilt wird, haben inzwischen 107 Kreise den Beitritt zur Kommunalbank beschlossen und weitere 35 Kreise ihren Beitritt in Aussicht gestellt; von letzteren konnten die meisten wegen Kürze der Zeit die Angelegenheit nicht mehr auf dem Etats-Kreistage zur Beschlußfassung bringen. 41 Kreise haben erklärt, daß sie sich abwartend verhalten oder daß sie vorläufig von einer Beteiligung Abstand nehmen wollen. 49 Kreise, darunter 10 westfälische, haben teils mit, teils ohne Angabe von Gründen abgelehnt; mehrere von ihnen haben die Ablehnung damit begründet, daß sie gut eingerichtete Sparkassen besitzen, welche stets in der Lage sein würden, die Kreditbedürfnisse innerhalb des Kreises zu befriedigen. 24 Kreise, deren Landräte Mitglieder des Komitees sind, haben eine Erklärung noch nicht abgegeben. 233 Kreise verbleiben somit, deren Stellungnahme noch nicht bekannt geworden ist.
Nach dieseni vorläufigen Ergebnis glaubt der Geschäftsführende Ausschuß des Komitees in der Annahme nicht fehlzugehen, daß das Endergebnis darin bestehen wird, daß wenigstens zwei Drittel der preußischen Landkreise der Deutschen Kommunalbank beitreten werden. Wenn in einigen Organen der Tagespresse, insbesondere in einer Notiz der „Hamburger Nachrichten" vom 1. November d. Js., das bisherige Ergebnis als sehr ungünstig dargestellt und dazu bemerkt wird, daß nur geringe Aussicht auf Verwirklichung des Projektes bestehe, so liegt hierin insofern eine völlige Verkennung der Tatsachen, als bei der Beurteilung der Sache ins Gewicht fällt, daß die Aufforderung an die Kreise für die meisten Kreise zu spät kam, da die Tagesordnungen für die Etats-Kreistage schon festgestellt waren. Aus diesem Grunde tritt der Ausschuß
") „Die Grenzboten" Nr. 32, 69. Jahrg., vom IN. August 1910, S. 268 ff. Grenzboten IV 1910 65