474
Neue Bücher
M^AckU »SG^
Neue Bücher
von Heinrich Sp i er o-Hamburg
er verstorbene Alexander von Roberts erzählte einmal, wie er in seiner schriftstellerischen Laufbahn von der Novelle zum Roman und von diesem zum Drama gekommen wäre — immer erfolgte das auf ^ Grund einer das Gegenteil erwartenden Prophezeiung. Einmal hatte ihm, der immer mir Erzählungen schmalen Umfanges geschrieben hatte, Frau Fanny Lewald gesagt: „Roberts, Sie werden nie dreispännig sahren" — und flugs ging er hin und schrieb einen mehrteiligen Roman. Ein andermal hatte ihm jemand die dramatische Begabung abgesprochen — und sofort schrieb Roberts erfolgreiche Dramen. Nicht immer, ja, nur sehr selten glückt einem in gewisse Grenzen gebannten Talent ein Hinausrecken über den bisher mit innerer Befriedigung und äußerem Gelingen ausgefüllten Rahmen; um so öfter aber sehen wir, wie eine ihrer Kräfte gewisse Begabung immer wieder Schönes und Wertvolles schafft wenn sie, ohne rechts und links zu blicken, im zugewiesenen Bezirk verharrt. So ergeht es innerhalb des breiten Flusses ihrer starken Produktion immer wieder den Brüdern Hans und Fedor von Zobeltitz. Sie sind mit unsere vornehmsten Unterhaltungsschriftsteller und gerade so weit Dichter, daß ihre besten Werke durchaus selbst das gute Niveau der Unterhaltung überragen, zumal da ihnen oft ein fein festgehaltener heimatlicher Einschlag nicht mangelt. Hebbel hat einmal gesagt, daß jeder, der seine Poesie in den der Unterhaltung gewidmeten Formen ausgibt, es büßen müsse; diese Formen seien so bequem, so locker, daß sie, weit entfernt, den Geist zusammenhalten, wie die höheren es tun, im Gegenteil von ihm zusammengehalten werden müssen und sich jedem Inhalt bequemen, wenn er einmal die Spannkraft verliert. Dieser Gefahr, die manches schöne Talent ruiniert, ist Hans von Zobeltitz immer wieder entgangen und nicht zum mindesten in seinem neuen Buch „Auf märkischer Erde" (Berlin, Egon Fleischel u. Co.). Es ist ein Roman aus der Konfliktszeit, der sich abspielt zwischen einem märkischen Gut und Berlin. Das Hauptthema ist die Herzensgeschichte einer jungen Landedeldame und hochbegabten Künstlerin, die nach einer furchtbaren Enttäuschung schwer in den Hafen einer warmen, auf Dauer gegründeten Liebe gelangt. Sie und die Ihren, ihr ganzer Kreis lebt voll mit in dem bewegten Sein der letzten Jahre vor dem deutschen Kriege; alle Verbitterung der inneren Politik bis zu dem großen Triumph von 1866 bewegt auch das Haus Hackentin, und es wird nichts bloß von außen hineingetragen, es herrscht nicht die Bemühung, möglichst viel bunten Stoff zueinander zu packen, sondern die Stimmung bleibt ganz einheitlich, wird oft zart und fein wiedergegeben. Und welche Fülle von Gestalten neben der Heldin, von dem roten Kreisrichter aus adligem Hause bis zu der alten Großmutter, die der Gatte immer noch wegen einer leisen Neigung zu Theodor Körner neckt, der alte märkische Edelmann selbst in seinem einfachen Milieu, der Sohn, der den neuen industriellen Aufschwung wahrnimmt, der junge Offizier aus altem Neuenburger Geschlecht und alle die anderen. Es ist ein Buch, das man mit Spannung zu Ende liest, gern wieder vornimmt, und das nicht nur den Namen der märkischen